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Archive for August, 2012

Schlüsselrolle der EZB

von Dr. Lutz WERNER

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist derzeit in aller Munde: Euroschuldenkrise, Rezession in Teilen der Europäischen Union. Und dann ihr Präsident Draghi:
Die EZB würde alles zum Erhalt des Euro tun und es wird ausreichen!
Die Märkte weltweit trauen ihm das zu und beruhigten sich. Nun blicken alle gebannt nach Frankfurt. Der EZB fällt die Schlüsselrolle für Konjunktur, Staatsschulden und Euro zu.

Aber wird sie diesen Erwartungen gerecht? Welche Mittel stehen ihr zur Verfügung? Welche Kompetenzen hat sie denn? Wie effektiv und nachhaltig kann sie wirken? Der Instrumentenkasten der EZB ist ansehnlich:

1. Stellschraube Leitzins
Der Leitzins ist mit 0,75% schon einmalig niedrig. Der Spielraum der EZB nach unten ist nicht mehr groß. Man erwartet, dass sie das Pulver noch trocken hält um im Notfall (z.B. Verwerfungen an den Finanzmärkten, Austritt Griechenlands) gewappnet zu sein. Zinssignale bleiben aber wichtig.
2. Absenkung des Einlagenzinssatzes
Um die Banken zu ermuntern mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, könnte die EZB den Einlagenzins weiter gegen Null senken. Aber ob die Banken angesichts der angespannten Lage, die auch durch Misstrauen gezeichnet ist, folgen ist äußerst fraglich.
3. Bankenrefinanzierung
Im Dezember und im Februar hat die EZB mit insgesamt eine Billion Euro für 1% die Banken versorgt. Dies hält bis Ende 2014. Weiter können sich die Banken bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften versorgen.
4. Verlängerung der Vollzuteilung
Die EZB hat sich auch mit diesem Instrument bisher freigiebig gezeigt. Die Finanzinstitute erhalten Liquidität, vorausgesetzt sie können im Gegenzug ausreichende Sicherheiten stellen.
5. Erleichterung bei den Sicherheiten
Die Liquidität der Banken kann auch über Erleichterungen bei den Sicherheiten gesteuert werden, auch selektiv nach Ländern (um z.B. südeuropäische Banken gezielt zu helfen). Dabei können aber auch die Risiken der EZB steigen.
6. Staatsanleihenkäufe
Die EZB hat seit Mai 2010 über 200 Mrd. Euro Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder aufgekauft. Das Programm ist derzeit ausgesetzt, auch umstritten, kann aber jederzeit gezielt aufgenommen werden. Das würde die Zinsbelastungen für die Regierungen verringern, allgemeine Kreditkosten drücken und insgesamt die Haushalte entlasten. Möglich wäre auch die Obergrenze für Risikoaufschläge bestimmter Staatsanleihen zu verteidigen, so wie die Schweizer Nationalbank eine Obergrenze beim Wechselkurz verteidigt.

Es wird spannend mit welchen Mitteln EZB-Präsident Draghi seinen Worten in den nächsten Tagen und Wochen Taten folgen lässt.

siehe auch www.anleger-beteiligungen.de

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