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Die wirtschaftliche Lage und die Geldpolitik der EZB

von Dr. Lutz WERNER


Zur Jahresmitte bietet es sich an, einen Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland, Europa und der Welt zu werfen.

Die Senkung des Leitzinses auf 0,15% durch die Europäische Zentralbank und weitere Maßnahmen sind aber nicht so sehr einer schwachen Konjunktur geschuldet.

Mit der Umsetzung eines umfangreichen Pakets an teils noch nie dagewesenen Maßnahmen verfolgen die Währungshüter der EZB eine Reihe anderer, sehr unterschiedlicher Ziele in Bereichen, in denen für die Notenbanker Gefahren lauern :

  • Zum einen soll die Kreditvergabe der Banken im gesamten Euroraum angekurbelt werden. Diese sollen sich zum Wohle der Realwirtschaft wieder und verstärkt auf ihre wichtigste Aufgabe, nämlich der Geldversorgung von Verbrauchern und Unternehmen besinnen.
  • Zum anderen wollen die Notenbänker um den EZB- Chef Mario Draghi, verhindern, dass  die Europäische Wirtschaft in eine kaum mehr zu bremsende Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen von Firmen und Haushalten abgleitet. Dieses Deflation-Szenario wäre für eine Notenbank im Gegensatz zu einer Inflation, bei der sie die Zinsen einfach hoch setzen müsste, kaum mehr beherrschbar.
  • Mit dem Maßnahmenpaket reagieren die Währungshüter auf die seit Monaten sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell       Kredite und Investitionen und können so die Wirtschaft ankurbeln. Das stärkt in der Regel auch den Preisauftrieb.
  • Auch der negative Einlagenzins soll die Inflation beflügeln, aber mehr noch den Euro schwächen, um so Importe zu verteuern und Exporte zu erleichtern.
  • Zudem sollen Banken dazu gebracht werden, überschüssiges Geld nicht bei der EZB zu parken, sondern Verbrauchern und Unternehmen vornehmlich in den südeuropäischen Krisenstaaten Kredite zu geben. Diese könnten leichter investieren und so der Konjunktur in den Krisenländern auf die Sprünge helfen.

Insgesamt sieht die wirtschaftliche Lage kurzgefasst wie folgt aus:

  • Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem breit angelegten Aufschwung.
  • Nach dem auch witterungsbedingt starken ersten Quartal wird die Frühjahrsbelebung voraussichtlich schwächer ausfallen als gewohnt. Darauf deuten u. a. die aktuellen Indikatoren des Produzierenden Gewerbes hin.
  • Die weltwirtschaftlichen Perspektiven bleiben im Ganzen aufgehellt, allerdings stellen nicht nur geopolitische Spannungen Risikofaktoren dar.
  • Die positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt setzen sich fort.

Die deutsche Wirtschaft hat im Winterhalbjahr, unterstützt durch die milde Witterung, weiter an Dynamik gewonnen. Nach dem bereits beschleunigten Wachstum von 0,4 % im Jahresschlussquartal 2013, hat im ersten Quartal 2014 das Bruttoinlandsprodukt nochmals kräftiger um 0,8 % zuge­nommen . Allerdings wird im Gegenzug die Frühjahrsbelebung etwas schwächer ausfallen als gewohnt. Insgesamt hat sich der Aufschwung gefestigt und an Breite gewonnen. Er wurde im ersten Quartal nachfrageseitig ausschließlich von den binnenwirtschaftlichen Auftriebskräften getragen.

Die Bauinvestitionen zogen, von der Witte­rung begünstigt, kräftig an und mit zunehmender Kapazitätsauslastung wurde auch verstärkt in Ausrüstungen investiert.

Der Außenhandel bremste demgegenüber per Saldo das Wachstum. Es wurde weniger exportiert und aufgrund der starken Binnennachfrage mehr importiert als im Vorquartal.

Die Weltwirtschaft setzt ihren moderaten Wachstumskurs fort. Die ausschlaggebenden Impulse für Wachstum und Handel kommen zurzeit von den Industrieländern, allen voran von der US-Wirtschaft. Dazu tragen die nach wie vor expansiv ausgerichtete Geldpolitik, günstige Finanzierungs­bedingungen und eine weniger restriktive Konsolidierungs­politik der öffentlichen Haushalte bei.

Die Staaten der Euro­päischen Union erholen sich nur sehr zögerlich. Dämpfend auf die Weltwirtschaft wirkt die schwächere Wachstumsdy­namik der Schwellenländer.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Weltwirtschaft zunächst im derzeitigen Tempo weiter expandieren. Die OECD hat in ihrem jüngsten Economic Outlook ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr leicht zurückgenommen und rechnet mit einem Anstieg des Welt-BIP um 3,4 %. Für 2015 wird dann ein leicht beschleu­nigter Anstieg um 3,9 % erwartet. Dabei bleiben die Risiken für die Weltkonjunktur beachtlich.

Damit kann der wirtschaftliche Ausblick als befriedigend bezeichnet werden. Geopolitische Risiken bleiben bestehen wie auch die bemerkenswerten Nachteile der extremen Niedrigzinspolitik der Notenbanken für bestimmte Gruppen.

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