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Archive for February, 2015

Wieder Deutscher Rekord-Überschuss in der Leistungsbilanz

Deutschland hat seinen (langsam fragwürdigen)Titel als Exportweltmeister verteidigt. Dies zeigen Berechnungen des Ifo-Instituts und Zahlen des Statistischen Bundesamtes, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des www.Investoren-Brief.de

Laut Ifo stieg der Überschuss der Leistungsbilanz 2014 um rund 30 Mrd. € auf knapp 220 Mrd. €. Das entspricht 7,5% der Wirtschaftsleistung.

Die Leistungsbilanz ist nach Definition der Deutschen Bundesbank Teil der Zahlungsbilanz. In ihr werden der grenzüberschreitende Warenhandel (Handelsbilanz), der grenzüberschreitende Dienstleistungsverkehr (Dienstleistungsbilanz), grenzüberschreitende Zahlungen aus Erwerbstätigkeit und Vermögen (Bilanz der Erwerbs- und Vermögeneinkommen) sowie laufende Übertragungen (Bilanz der laufenden Übertragungen) zusammengefasst.

Ein Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass die betreffende Volkswirtschaft mehr produziert als die an eigenen und fremden Gütern verbraucht. Dadurch baut sie Auslandsvermögen aus. Bei einem Leistungsbilanzdefizit ist es umgekehrt.

Seit 2011 weist Deutschland weltweit die höchsten Überschüsse aus. Den mit Abstand größten Anteil des Überschusses machen die deutschen Ausfuhren aus, die im vergangenen Jahr stärker gewachsen sind als die Einfuhren. Allein durch den Handel mit Ländern außerhalb des Euroraumes sei ein Plus in Höhe von 170 Mrd. € erwirtschaftet worden, teilte das Ifo-Institut mit. Die Leistungsbilanz erfasst neben den Warenströmen unter anderem auch Ausgaben der Auslandstouristen, Zinseinkommen aus dem Ausland und weitere, vergleichsweise kleine Zahlungsströme.

Die deutsche Wirtschaft lieferte Waren im Wert von 1.133 Mrd. € an ausländische Abnehmer, das waren 3,7% mehr als im Vorjahr. Der Warenimport stieg um 2% auf rund 917 Mrd. €. Somit vergrößerte sich der Außenhandelsüberschuss auf 217 Mrd. €, teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit wurde der bisherige Höchstwert von 195 Mrd. € im Jahr 2007 deutlich übertroffen. Am stärksten – um mehr als 10% – nahmen die Ausfuhren in Nicht–Euroländern in der EU zu. Der Export in Länder des Euroraums wuchs nur um 2,7%. In die Eurozone geht mit 414 Mrd. € Warenwert inzwischen nur noch gut ein Drittel des Gesamtexports.

Der Außenhandelsverband BGA zeigte sich mit der Entwicklung mäßig zufrieden. „Dies ist ein respektables Ergebnis für die Exporteure nach einem wirklich nicht einfachen Jahr“, sagte BGA-Präsident Börner. Für das Jahr 2015 prognostiziert der Bundesverband Groß- und Außenhandel einen Anstieg des Exports um 4% und ein Importwachstum um 3,5%.

Vor allem dem IWF und Frankreich missfällt die deutsche Exportstärke. Deutschland wachse auf Kosten anderer, so die Kritik. Die Europäische Kommission stuft einen Überschuss von mehr als 6% der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend in der Europäischen Union ein. Deutschland solle daher seine Binnenkonjunktur etwa durch Investitionen und Lohnerhöhungen und erhöhten privaten Konsum stärken. Andere Länder müssen nämlich automatisch größere Defizite in der Leistungsbilanz aufweisen, wenn Länder dauerhaft Überschüsse erwirtschaften.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel hatte im letzten Jahr daraufhin angekündigt, dass Deutschland unter anderem mit öffentlichen Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur die Binnennachfrage beleben und so zum Abbau der Ungleichgewichte beitragen wolle.

Das Institut für Weltwirtschaft verwies dagegen darauf, dass der Anteil der Importe Deutschlands aus dem Euroraum steige und inzwischen größer sei als der Anteil des Exports dorthin. Deutschland beziehe also im großen Umfang Waren aus Euroländern. So profitierten die Euroländer davon, wenn die deutsche Wirtschaft gut laufe.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland wegen des abermaligen Überschusses Sanktionen, zum Beispiel in Form eines Bußgeldes, drohen könnte, schätzen Beobachter in Brüssel derzeit aber als gering ein.

Doch obwohl in Deutschland der Konsum derzeit Wachstumstreiber Nr. 1 ist und Arbeitnehmer vieler Branchen sich über Lohnerhöhungen freuen können, hat laut Ifo im Jahr 2014 der deutsche Wert der Kapitalexportüberschüsse mit umgerechnet 285 Mrd. US-Dollar abermals deutlich vor China gelegen, das im abgelaufenen Jahr etwa 150 Mrd. US-Dollar Überschuss erwirtschaftet hat. Auf Rang drei folgt mit einigem Abstand Saudi-Arabien. Damit hat Deutschland nun nach China das zweitgrößte Nettoauslandsvermögen.

Ein Grund für den Leistungsbilanzüberschuss ist die gute Konjunkturlage in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und Großbritannien. Zudem musste Deutschland wegen des Preisverfalls beim Öl gegen Jahresende deutlich weniger für Ölimporte bezahlen. Außerdem erleichtert der schwache Euro den deutschen Export.

Für 2015 zeichnet sich eine Fortsetzung des Leistungsbilanzüberschusses ab. Angesichts des Ölpreisrutsches und des schwachen Euro werde der Überschuss auf 240 Mrd. € steigen. Das wären 8% der deutschen Wirtschaftsleistung. So schätzen Experten und auch der Bundesverband Groß- und Außenhandel.

Neuer Ärger mit der Europäischen Kommission und den Mitgliedsstaaten sowie mit dem IWF ist also vorprogrammiert.

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Die wesentlichen Gründe niedriger Renditen und Zinsen

Unaufhaltsam fallen rund um den Globus die Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen und erreichen ungeahnte Tiefststände. Die Gründe erläutert der Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des www.Investoren-Brief.de

Im Euroraum erreichte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit 0,4 % ein historisches Tief. Der Rückgang geht aber weit über den Euroraum hinaus. In der Schweiz rentierten zehnjährige Papiere mit 0,189 % und in Japan mit 0,28 %. Trotz einer kräftig wachsenden Wirtschaft fiel in den Vereinigten Staaten die Rendite zehnjähriger Staatspapiere erstmals seit mehreren Monaten wieder unter die Marke von 2 %. In Australien bringen zehnjährige nur 2,71 %, der niedrigste Wert seit Jahrzehnten.

Was sind die Gründe für diese globale Entwicklung niedriger Zinsen und Renditen?

Viele Faktoren haben derzeit Einfluss auf Renditen und Zinsen und drücken diese auf Rekordtiefststände, zur Freude und zum Leid für Anleger, Investoren, Sparer, Unternehmen, Finanzminister und Staaten.

Hier eine Kurzdarstellung der wesentlichen Gesichtspunkte:

  1. Niedrige Inflation

Ein wesentlicher Grund für die sehr niedrigen Staatsanleihen sind die im historischen Kontext außergewöhnlich niedrigen Inflationsraten, die angesichts des stark rückläufigen Ölpreises in den kommenden Monaten noch weiter nachgeben dürften. In vielen Ländern Europas befinden sich die aktuellen Inflationsraten um 0 %. Dies gilt nicht nur für den Euroraum, sondern auch für die Schweiz, für Skandinavien und für Teile Osteuropas. Aber auch im Ländern mit eine kräftiger wachsenden Wirtschaft und deutlich niedriger Arbeitslosigkeit stellt sich bis heute keine Inflationsdynamik ein. Dies lässt sich unter anderem in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien und in Australien beobachten. Allein durch den Ölpreis lässt sich diese Entwicklung nicht erklären.

  1. Demografie

In alternden Gesellschaften dürfte auch die Demografie eine die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit die Inflation hemmende Rolle spielen. Die vor allem in London und New York verbreitete Ansicht, Kontinentaleuropa drohe ein japanisches Szenario mit längerfristigen Inflationsraten von nahe oder unter null, drückt derzeit die europäischen Renditen immer weiter nach unten.

  1. Geldpolitik

Hinzu tritt, dass die inflationsfördernde Wirkung einer aggressiven Geldpolitik von Vieler Fachleuten überschätzt worden ist. Eine aktuelle Studie der amerikanischen Notenbank Fed zu deren Geldpolitik der vergangenen Jahre kommt zu dem Schluss, dass sie die Inflationsrate um einen halben Prozentpunkt erhöhen dürfte, aber dieser Effekt erst im Jahre 2016 vollständig sichtbar sein werde. Aus diesem Grund nehmen bei Marktteilnehmern Zweifel zu, dass es der Europäischen Zentralbank (EZB) mit dem geplanten Programm zum Ankauf von Staatsanleihen gelingen könnte, die Inflationsrate in absehbarer Zeit deutlich anzuschieben. Anleihekäufe durch Zentralbanken verknappen zwar das Angebot an Staatspapieren und unterstützen den Preisauftrieb für diese Titel, aber die Wirkungen auf das Preisniveau von Gütern und Dienstleistungen sind weniger klar.

  1. Ersparnisschwemme

Heute ist die These einer großen Ersparnisschwemme, für die zu wenig Nachfrage zur Finanzierung von Sachinvestition existiert, nicht länger bestritten. So hat die Deutsche Bank kürzlich beschrieben, wie ein sehr starker Ersparnisüberschuss im Euroraum auf die internationalen Kapitalmärkte strömt, dort die Renditen von Anleihen drückt und zur Abwertung des Euro beiträgt.

  1. Mangel an sicheren Anlagen

In den vergangenen Jahren haben sich die Ratings für zahlreiche Staatsanleihen verschlechtert. Manche Ökonomen und Marktteilnehmer räsonieren dabei über einen Mangel an sicheren Kapitalanlagen. Aber auch viele Staatsanleihen mit nicht mehr erstklassiger Bonität werden von Marktteilnehmern als im Vergleich sichere Anlagen geschätzt. Die Geldpolitik der vergangenen Jahre hat dazu beigetragen, die Renditeunterschiede zwischen Staatsanleihen mit sehr guter und solchen mit weniger guter Bonität einzuebnen. Kritiker sagen, damit befeuere die Geldpolitik die Unterschätzung von Risiken durch private Anleger.

  1. Staats- und Privatverschuldung

Ein anderer Gedanke bricht sich allmählich Bahn. Es wird zwar viel über hohe Staatsverschuldungen in den Industrienationen diskutiert, und Länder wie Griechenland oder Japan weisen tatsächlich Schuldniveaus aus, die Fragen nach ihrer langfristigen Tragbarkeit aufwerfen. Aber ein Blick auf den großen Schuldenaufbau der vergangenen vier Jahrzehnte belegt, dass in vielen Industrienationen die private Verschuldung sehr viel stärker gewachsen ist als die staatliche Verschuldung. Insofern mögen aus Sicht vieler Anleger staatliche Schulden immer noch sicherer aussehen als private Schulden.

Das Phänomen der stark zunehmenden privaten Verschuldung ist deshalb bisher unterschätzt wurden. Der Sicherheitsaspekt spielt bei den Anlegern in Zeiten wachsender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit eine erhebliche Rolle, wenn besonders Aktien als zunehmend riskant erscheinen. In solchen Fällen nimmt gewöhnlich die Nachfrage nach Staatsanleihen zu, unter anderem, weil die Kurschwankungen dieser Papiere meist geringer sind als die Kursschwankungen von Aktien oder Unternehmensanleihen.

  1. Liquidität

Staatsanleihen besonders großer Länder besitzen einen weiteren Vorteil: Sie sind, auch und gerade in Krisenzeiten, leichter handelbar als fast alle anderen Finanzprodukte und vor allem schneller und leichter handelbar als Unternehmensanleihen. In der Fachsprache: Staatsanleihen sind besonders liquide. Für dieses hohe Maß an Liquidität sind viele Anleger bereit, auf Rendite zu verzichten. Ihre Liquidität gestattet es den Staatsanleihen, an den Finanzmärkten schnell und ohne großen Aufwand und Kosten als Pfand für viele andere Geschäfte zwischen Banken und anderen Finanzhäusern zu dienen. Auf diese Weise sind Staatsanleihen nützlich, auch wenn sie keine unmittelbare Rendite mehr bringen.

  1. Regulierung begünstigt Staatstitel

Schließlich profitieren Staatsanleihen von allerlei Bevorzugungen. Banken, die solche Papiere kaufen, müssen dafür kein Eigenkapital vorhalten. Zentralbanken haben in den vergangenen Jahren große Bestände an Staatsanleihen gekauft. Die EZB hat Geschäftsbanken günstige Kredite gegeben, die von diesen zum Teil für Käufe von Staatsanleihen verwendet worden sind. Anlagevorschriften für institutionelle Anleger wie Versicherungen und Stiftungen begünstigen seit langer Zeit Käufe von Staatsanleihen. Die Schweizerische Nationalbank zum Beispiel legt die von ihr in den vergangenen Jahren angehäuften Fremdwährungen überwiegend in Staatspapieren an. Britische Pensionskassen haben eine große Nachfrage nach dreißigjährigen Anleihen, die der Staat bereitwillig bereit stellt, die aber von privaten Unternehmen kaum aufgelegt werden. Die regulatorische Bevorzugung von Staatspapieren wird zwar häufig beklagt, steht aber nicht vor ihrem Ende, weil der Staat zwei Hüte trägt: Er ist Regulator ebenso wie Emittent von Staatsanleihen.

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