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Wieder Deutscher Rekord-Überschuss in der Leistungsbilanz

Deutschland hat seinen (langsam fragwürdigen)Titel als Exportweltmeister verteidigt. Dies zeigen Berechnungen des Ifo-Instituts und Zahlen des Statistischen Bundesamtes, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des www.Investoren-Brief.de

Laut Ifo stieg der Überschuss der Leistungsbilanz 2014 um rund 30 Mrd. € auf knapp 220 Mrd. €. Das entspricht 7,5% der Wirtschaftsleistung.

Die Leistungsbilanz ist nach Definition der Deutschen Bundesbank Teil der Zahlungsbilanz. In ihr werden der grenzüberschreitende Warenhandel (Handelsbilanz), der grenzüberschreitende Dienstleistungsverkehr (Dienstleistungsbilanz), grenzüberschreitende Zahlungen aus Erwerbstätigkeit und Vermögen (Bilanz der Erwerbs- und Vermögeneinkommen) sowie laufende Übertragungen (Bilanz der laufenden Übertragungen) zusammengefasst.

Ein Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass die betreffende Volkswirtschaft mehr produziert als die an eigenen und fremden Gütern verbraucht. Dadurch baut sie Auslandsvermögen aus. Bei einem Leistungsbilanzdefizit ist es umgekehrt.

Seit 2011 weist Deutschland weltweit die höchsten Überschüsse aus. Den mit Abstand größten Anteil des Überschusses machen die deutschen Ausfuhren aus, die im vergangenen Jahr stärker gewachsen sind als die Einfuhren. Allein durch den Handel mit Ländern außerhalb des Euroraumes sei ein Plus in Höhe von 170 Mrd. € erwirtschaftet worden, teilte das Ifo-Institut mit. Die Leistungsbilanz erfasst neben den Warenströmen unter anderem auch Ausgaben der Auslandstouristen, Zinseinkommen aus dem Ausland und weitere, vergleichsweise kleine Zahlungsströme.

Die deutsche Wirtschaft lieferte Waren im Wert von 1.133 Mrd. € an ausländische Abnehmer, das waren 3,7% mehr als im Vorjahr. Der Warenimport stieg um 2% auf rund 917 Mrd. €. Somit vergrößerte sich der Außenhandelsüberschuss auf 217 Mrd. €, teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit wurde der bisherige Höchstwert von 195 Mrd. € im Jahr 2007 deutlich übertroffen. Am stärksten – um mehr als 10% – nahmen die Ausfuhren in Nicht–Euroländern in der EU zu. Der Export in Länder des Euroraums wuchs nur um 2,7%. In die Eurozone geht mit 414 Mrd. € Warenwert inzwischen nur noch gut ein Drittel des Gesamtexports.

Der Außenhandelsverband BGA zeigte sich mit der Entwicklung mäßig zufrieden. „Dies ist ein respektables Ergebnis für die Exporteure nach einem wirklich nicht einfachen Jahr“, sagte BGA-Präsident Börner. Für das Jahr 2015 prognostiziert der Bundesverband Groß- und Außenhandel einen Anstieg des Exports um 4% und ein Importwachstum um 3,5%.

Vor allem dem IWF und Frankreich missfällt die deutsche Exportstärke. Deutschland wachse auf Kosten anderer, so die Kritik. Die Europäische Kommission stuft einen Überschuss von mehr als 6% der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend in der Europäischen Union ein. Deutschland solle daher seine Binnenkonjunktur etwa durch Investitionen und Lohnerhöhungen und erhöhten privaten Konsum stärken. Andere Länder müssen nämlich automatisch größere Defizite in der Leistungsbilanz aufweisen, wenn Länder dauerhaft Überschüsse erwirtschaften.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel hatte im letzten Jahr daraufhin angekündigt, dass Deutschland unter anderem mit öffentlichen Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur die Binnennachfrage beleben und so zum Abbau der Ungleichgewichte beitragen wolle.

Das Institut für Weltwirtschaft verwies dagegen darauf, dass der Anteil der Importe Deutschlands aus dem Euroraum steige und inzwischen größer sei als der Anteil des Exports dorthin. Deutschland beziehe also im großen Umfang Waren aus Euroländern. So profitierten die Euroländer davon, wenn die deutsche Wirtschaft gut laufe.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland wegen des abermaligen Überschusses Sanktionen, zum Beispiel in Form eines Bußgeldes, drohen könnte, schätzen Beobachter in Brüssel derzeit aber als gering ein.

Doch obwohl in Deutschland der Konsum derzeit Wachstumstreiber Nr. 1 ist und Arbeitnehmer vieler Branchen sich über Lohnerhöhungen freuen können, hat laut Ifo im Jahr 2014 der deutsche Wert der Kapitalexportüberschüsse mit umgerechnet 285 Mrd. US-Dollar abermals deutlich vor China gelegen, das im abgelaufenen Jahr etwa 150 Mrd. US-Dollar Überschuss erwirtschaftet hat. Auf Rang drei folgt mit einigem Abstand Saudi-Arabien. Damit hat Deutschland nun nach China das zweitgrößte Nettoauslandsvermögen.

Ein Grund für den Leistungsbilanzüberschuss ist die gute Konjunkturlage in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und Großbritannien. Zudem musste Deutschland wegen des Preisverfalls beim Öl gegen Jahresende deutlich weniger für Ölimporte bezahlen. Außerdem erleichtert der schwache Euro den deutschen Export.

Für 2015 zeichnet sich eine Fortsetzung des Leistungsbilanzüberschusses ab. Angesichts des Ölpreisrutsches und des schwachen Euro werde der Überschuss auf 240 Mrd. € steigen. Das wären 8% der deutschen Wirtschaftsleistung. So schätzen Experten und auch der Bundesverband Groß- und Außenhandel.

Neuer Ärger mit der Europäischen Kommission und den Mitgliedsstaaten sowie mit dem IWF ist also vorprogrammiert.

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