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Fakten, Ziele und Wirkungen des EZB-Kaufprogramms von Anleihen

Diese Woche hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr gigantisches, historisches und einmaliges Anleihen-Kaufprogramm gestartet. Kritiker bezeichnen es als das größte geldpolitische Experiment in der Geschichte der Europäischen Wirtschaftsunion. Ziel und Wirkungen erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlichen, kostenfreien www.Investoren-Brief.de.

  1. Fakten des EZB-Kaufprogramms

Gemäß der Ankündigung von EZB-Präsident Draghi in der letzten Woche nach der Sitzung des Zentralbankrats wird die EZB jeden Monat für 60 Milliarden Euro Anleihen kaufen. Draghis Aussage, dass auch Anleihen mit negativer Rendite gekauft werden, beeindruckte die Devisenmärkte.

„Das Kaufprogramm läuft bis September 2016 oder darüber hinaus“, sagte Draghi. Die EZB und die nationalen Zentralbanken werden also für mindestens 1.140 Milliarden Euro Wertpapiere (Unternehmens- und Staatsanleihen) aufkaufen und entsprechend viel frisches Geld in die Märkte pumpen.

  1. Ziele des EZB-Kaufprogramms

Vorrangiges Ziel der Geldflut ist nach Angaben der EZB, die derzeit sehr niedrige Inflationsrate wieder in Richtung von mittelfristig knapp 2% anzuheben. Derzeit liegt die Inflationsrate in der Eurozone wegen des Ölpreisverfalls bei 0,3%. Das gegen den Widerstand der Deutschen Bundesbank beschlossene Anleihekaufprogramm werde wie gewünscht wirken, gab sich Draghi überzeugt.

Für dieses Jahr prognostiziert die EZB eine Inflationsrate von 0%. Für das Jahr 2016 hob die EZB die Prognose zur Inflationsrate auf durchschnittlich 1,5% und für 2017 auf 1,8% an.

Weiteres Ziel der EZB ist die schwache Konjunktur in der Europäischen Union anzuschieben. Dementsprechend hat die EZB auch ihre Wachstumsprognose für den Währungsraum deutlich angehoben. Der Grund dafür ist die Erwartung, dass der niedrige Ölpreis, der abgewertete Euro und das Anleihe-Kaufprogramm die Konjunktur merklich anschieben. Deshalb prognostiziert die EZB nun für 2015 ein Wachstum von 1,5%, für das kommende Jahr 1,9 und für das Jahr 2017 sogar 2,1%.

EZB-Präsident Draghi hob hervor, damit die lockere Geldpolitik voll wirke, ist die Politik in der Pflicht und müsse durch energische Reformen ein besseres Umfeld für die Wirtschaft schaffen.

Kritik kam aus Griechenland und Zypern. Anleihen dieser Länder kauft die EZB nicht. Dazu betonte die EZB, dass sie sich an die Regeln halte, insbesondere sich an das Verbot der monetären Staatsfinanzierung gebunden fühlt.

  1. Wirkungen des EZB-Kaufprogramms

An den Finanzmärkten fragen sich viele Teilnehmer, welche Wirkungen die Anleihekäufe der EZB haben werden.

Schon die Ankündigung durch die EZB und die öffentliche Diskussion dieses Programms in den Wochen und Monaten vorher hat erhebliche Folgen gezeigt:

  • So hat sich der Abwertungsdruck auf die kurzfristigen Zinserwartungen, auf die Kapitalmarktzinsen und die Finanzierungskosten für Unternehmen, weiter verstärkt.
  • Die starke Aktienmarktentwicklung in den letzten Wochen stützt die Hoffnung auf einen positiven Vermögenseffekt.
  • Vor allem hat sich der Euro-Wechselkurs in eine von der Europäischen Zentralbank gewünschte Richtung verändert. Seit der öffentlichen Erörterung des Kaufprogramms hat der Euro gegenüber dem Dollar und gegenüber anderen Währungen stark abgewertet.
  • Lediglich die von der EZB als wichtig angesehene Inflationserwartung hat sich bisher kaum erfüllt.
  • Auffallend sind die Entwicklungen an den Märkten für Staatsanleihen. Hier haben sich die Renditedifferenzen zwischen deutschen Bundesanleihen und Anleihen aus südeuropäischen Ländern wie Italien, Spanien und Portugal (ausgenommen Griechenland) erheblich eingeengt. Andererseits befindet sich die Renditedifferenz zwischen Bundesanleihen und amerikanischen Staatsanleihen auf einem Höchststand.
  • Bekannt ist aus den USA und Großbritannien, das Anleihekaufprogramme von Zentralbanken sehr stark bereits in der Ankündigungsphase wirken. Danach ist nicht garantiert, dass die Renditen weiter sinken, sobald die Europäische Zentralbank in dieser Woche tatsächlich mit ihrem Kaufprogramm startet.
  • Ein weiteres Problem ist, dass Anleihen in einem solchen Umfang schwer korrekt zu bewerten sind. Dazu hat sich die Fondsgesellschaft Blackrock geäußert. Sie verwaltet ein Vermögen von 4 Billionen Euro und ist damit der größte Kapitalanleger der Welt. Blackrock kauft weiter Anleihen aus der Europäischen Union und insbesondere aus der europäischen Peripherie. „Aber wir sind ein wenig vorsichtiger geworden“, so ein Sprecher von Blackrock.
  • An den Kapitalmärkten wird auch seit Wochen diskutiert, ob die massiven Käufe der EZB zu Verknappungen auf den nationalen Anleihemärkten führen werden. Es ist ohne weiteres denkbar, dass es für die EZB schwierig wird, die gewünschten Summen an den Renten- und Unternehmensmärkten auch tatsächlich zu erwerben.

Ein Argument lautet, dass viele Staatsanleihen im Besitz von Banken sind. Diese könnten zwar mit dem Verkauf der Anleihen an die EZB Kursgewinne erzielen, müssten sich aber fragen, was sie danach mit dem Geld machen sollten. Es gibt keine risikofreien, rentablen und liquiden Alternativen für Kapitalanlagen sehr großen Stils.

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