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Archive for April, 2015

Ausblick für die Weltwirtschaft

In dieser Woche findet die Frühjahrstagung vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington statt, zu der sich die Finanzminister und Notenbankchefs aus 180 Ländern treffen. Dazu hat der IWF seinen „Ausblick für die Weltwirtschaft“ vorgelegt, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden, kostenfreien www.Investoren-Brief.de.

Der IWF erwartet für die Eurozone eine kleine wirtschaftliche Erholung, die vom billigem Öl, dem schwachen Euro und der lockeren Geldpolitik getragen wird. Für die Eurozone rechnet der Währungsfonds in diesem und im kommenden Jahr mit einem stärker als bisher erwartetem Wachstum von 1,5 und 1,6%.

Deutschland soll nach diesem Ausblick um 1,6 in 2015 und 1,7% in 2016 wachsen.

Die Industrienationen zusammen kommen unter Führung der Vereinigten Staaten auf eine Wachstumsrate von 2,4% in diesem und auch im nächsten Jahr. Die Prognose für die Vereinigten Staaten wurde leicht nach unten korrigiert.

Unter den Schwellenländern ist eine Rezension in Russland und Stagnation in Brasilien sowie ein verlangsamtes Wachstum in China zu erwarten.

Die gesamte Weltwirtschaft wächst nach der Prognose des IWF in seinem „Ausblick für die Weltwirtschaft“ ungefähr so wie im vergangenen Jahr mit Raten von 3,5 und 3,8%.

Vier Trends prägen die Weltwirtschaft, erläuterte der Chefökonom des Währungsfonds bei der Präsentation der Studie.

  1. Immer noch spürten viele Länder die Folgen der Finanz- und der Euro-Krise. Banken schwächelten und die Verschuldung von Staat, Wirtschaft und Privatleuten sei in einigen Ländern so hoch, dass sie nur langsam wüchsen.
  2. Als zweiten Trend sieht der IWF, dass in vielen Ländern das theoretisch mögliche Wachstumspotenzial schrumpfe. Der IWF führt das auf die Alterung der Bevölkerung und Nachlassen der Produktivitätszuwächse zurück, die wiederum eine Folge geringer Investitionen seien. Diese Entwicklung treffe, anders als allgemein angenommen, Schwellenländer zum Teil noch stärker als die Industrienationen.
  3. Der dramatisch gesunkene Ölpreis hat zu einer globalen Einkommensumverteilung geführt von Ölexporteuren hin zu Ölimporteuren. In der Summe hat das nach Einschätzung des IWF stimulierende Wirkung für die Weltwirtschaft. Wichtige Regionen wie die Vereinigten Staaten, die Eurozone, China und Indien hätten dank billigen Öls mehr Geld für Ausgaben. Ölproduzenten müssen dagegen ihre Ausgaben zurückfahren, sind aber oft abgesichert durch große Finanzreserven.
  4. Ebenfalls als unter dem Strich positiv bewertet der Währungsfonds das Erstarken des Dollars gegenüber anderen wichtigen Währungen. Diese Entwicklung sei vor allem Folge der auseinander driftenden Geldpolitiken zwischen der amerikanischen Zentralbank auf der einen Seite und der Europäischen Zentralbank und der japanischen Notenbank auf der anderen Seite. Die Eurozone und Japan profitierten, Amerika dagegen könne den starken Dollar verkraften.

Der eher positiven makroökonomischen Entwicklung stehen allerdings wachsende Risiken auf den Finanzmärkten gegenüber. Der IWF nennt explizite Griechenland als Gefahrenherd für eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Dazu kommen die Gefahren, die in den Krisenregionen dieser Welt ausgehen, etwa von der Ukraine und von den arabischen Ländern.

Der Währungsfonds empfiehlt generell, an der lockeren Geldpolitik festzuhalten, dabei unerwünschte Nebeneffekte genau zu beobachten. Zudem rät der IWF zu Ausgabeprogrammen für Infrastruktur und Bildung, ohne dafür das Ziel der Schuldensenkung aus den Augen zu verlieren. Die Länder sollten vielmehr die guten Gelegenheiten nutzen, die niedrige Ölpreise bieten und entsprechend ihre Ölsubventionen abbauen zu Gunsten von mehr Investitionen.

Anders als im vorigen Jahr wird Deutschland diesmal weniger stark im Fokus stehen, das erwartet zumindest die Bundesregierung. Deutschland war zuletzt wegen seiner enormen Exportüberschüsse auch vom IWF stark kritisiert worden.

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Hannover Messe 2015 – Industrie 4.0

Auf der wichtigsten Industriemesse der Welt werden vom 13. – 17. April 2015 mehr als 6.500 Aussteller aus mehr als 70 Ländern ihre Produkte zeigen. Die Deutsche Messe als Veranstalterin erwartet nach den Worten des Vorstands mehr als 220.000 Besucher, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des www.Investoren-Brief.de.

Die internationale Diskussion wird derzeit von drei großen Themen beherrscht:

  1. Das erste Thema ist die Vernetzung der Dinge. Darunter versteht man, dass alle Gegenstände des Alltags vom Auto bis zur häuslichen Heizung einen Internetanschluss haben und vernetzt sind.
  2. Das zweite Thema ist die vernetzte Produktion unter dem Stichwort Industrie 4.0 und
  3. Das dritte wichtige Thema ist die Transformation der Energiesysteme von fossilen Brennstoffen hin zu Erneuerbaren Energien zum Klimaschutz.

Die Themen Industrie 4.0 und die Energiewende prägen die Hannover Messe, die zum dritten Mal unter dem Motto“ Integrated Industry“ steht. In diesem Jahr mit dem Zusatz „Join the Network“, sei Teil des Netzwerks.

Die Fabrik der Zukunft ist damit die große Vision der Hannover Messe 2015. Die weltweit wichtigste Industriemesse wird zeigen, wie weit die Industrie auf dem Weg zur vollvernetzten Fabrik ist. 6.500 Aussteller präsentieren die modernste Fabrik- und Energietechnik, innovative Zulieferlösungen und die neusten Erkenntnisse aus der Industrie 4.0 – Forschung. Der Informationsbedarf ist enorm. Die Wettbewerbskraft der Unternehmen hängt künftig von der Fähigkeit ab, sich mit allem am Produktionsprozess beteiligten Akteuren zu vernetzten. Nur in Hannover stellen alle beteiligten Branchen aus und sind präsent.

In den Messehallen erwarten den Besucher digital vernetzte Fertigungsanlagen, auf denen im Life-Betrieb Produkte hergestellt werden. Erstmals werden Technologien gezeigt, die der Besucher kaufen und direkt in seine Fabrik einbauen kann. Damit ist Industrie 4.0 endgültig in der Realität angekommen.

Doch es geht nicht allein um Technik, wenn sich die Arbeitsabläufe und Anforderungen in den Unternehmen verändern, betrifft das vor allem den Menschen. Dazu brauchen wir eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft, bei den Unternehmern, Gewerkschaften und in der Politik, um Industrie 4.0 zum Erfolg zu führen.

Die Industrie wird gemeinsam mit der deutschen Bundesregierung ihre Strategie zur vernetzten Produktion in Hannover vorstellen. In den vergangenen zwei Jahren haben Unternehmen aus Deutschland die Industire-4.0-Forschung im hohen Tempo vorangetrieben. Jetzt geht es in die konkrete Umsetzung.

Die Hannover Messe ist in diesem Jahr international wie nie zuvor. Von den 6.500 Ausstellern kommen 56% aus dem Ausland. Allein aus China sind mehr als 900 Unternehmen angemeldet. Damit ist China die stärkste Ausstellernation nach Deutschland.

Die zentralen Themen der Hannover Messe 2015 sind:

  • Industrieautomation und IT,
  • Antriebs- und Fluidtechnik,
  • Energie- und Umwelttechnologien,
  • industrielle Zulieferung,
  • Produktionstechnologien und Dienstleistungen sowie
  • Forschung und Entwicklung.
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Crowdfunding gewinnt an Bedeutung – zu Lasten der Banken

Unternehmen in Europa kommen auch ohne Banken an Start- oder Investitionskapital. Crowdfunding gewinnt an Bedeutung. Am besten funktioniert die Schwarmfinanzierung in Großbritannien. Deutschland hinkt bei der Akzeptanz dieser modernen Finanzierungsform hinterher, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber der ältesten Crowdfunding-Plattform in Deutschland, www.Anleger-Beteiligungen.de (vormals http://www.Emissionsmarktplatz.de).

Immer mehr Unternehmen in Europa kommen bei ihrerFinanzierung einer Studie zufolge ohne klassische Banken aus. Die Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft EY (Ernst & Young) erwartet, dass sich das Volumen alternativer Finanzierungen in diesem Jahr mehr als verdoppeln wird. EY-Partner Christopher Schmitz geht von mehr als sieben Milliarden Euro aus, die über Online-Plattformen oder direkte Kredite von Privatinvestoren und Unternehmen an kleinere und junge Firmen vergeben werden. „Die Finanzierungsmöglichkeiten für gute Ideen und Produkte erweitern sich, sie sind nicht mehr allein auf den Bankkredit oder Risikokapitalgeber angewiesen”, sagte Schmitz. „Gerade für Start-ups ist der Weg zur Bank nicht mehr die einzige Finanzierungsmöglichkeit.”

Schon in den vergangenen Jahren hat der Markt für alternative Finanzierungen nach der am Mittwoch veröffentlichten Studie von EY und der Universität Cambridge ein rasantes Wachstum erlebt: von 487 Millionen Euro 2012 hat er sich auf 2,96 Milliarden Euro 2014 versechsfacht. Crowdfunding werde dadurch immer stärker auch für traditionelle Investoren attraktiv, erklärte EY. Für die Studie wurden die Daten von 14 Branchenverbänden und 255 Online-Plattformen ausgewertet.

In Deutschland stecken Crowdfunding und andere Alternativen zum Bankkredit oder Finanzinvestoren allerdings noch in den Kinderschuhen: Die Studie beziffert das Volumen 2014 auf 140 Millionen Euro. Der mit Abstand größte Markt ist Großbritannien, auf das mehr als drei Viertel des Finanzierungsvolumens entfallen – und die Wachstumsraten dort sind immer noch deutlich höher als im europäischen Durchschnitt. Dort hätten die Banken am stärksten unter der Finanzkrise gelitten, weshalb sich Firmen schnell nach alternativen Geldquellen umsehen mussten, erklärte EY.

Auf dem europäischen Kontinent am verbreitetsten sind – vor allem für jungen Unternehmen – direkte Darlehen von Privatpersonen, gefolgt vom klassischen Crowdfunding, bei dem die Geldgeber später im Erfolgsfalle etwa damit belohnt werden, dass sie das Produkt früher erhalten als andere. Das stärkste Wachstum weisen der Studie zufolge Kredite von Unternehmen oder Institutionen an andere Firmen auf. Die Online-Kreditplattform Lending Club war in den USA im vergangenen Jahr an die Börse gebracht worden.

Die EU-Kommission und auch die Bundesregierung haben bereits angekündigt, allgemeine Regeln für Crowdfunding aufstellen zu wollen. Banken droht durch diese Form der Finanzierung der Verlust großer Teile des Geschäfts im Mittelstand – die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen ist bereits seit Jahren rückläufig. Dies insbesondere auch das jahrelange skandalöse Missmanagement der Banken, die dadurch viel Vertrauen ihrer Kundschaft verspielt haben.

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Systemische Risiken durch das Staatsanleihen-Privileg

Die Finanzierung von Europas Staaten ist ein Selbstläufer. Abgesehen von Griechenland, bekommt jeder EU-Mitgliedstaat das notwendige Geld ohne viel Aufwand am Kapitalmarkt, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

Die Staatsanleihen werden vor allem von den heimischen europäischen Banken – mit dem billigen Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) – angekauft. Und weil die Banken die Schuldscheine nicht einmal mit Eigenkapital unterlegen müssen, wie das sonst üblich ist und verlangt wird, haben sich viele Finanzinstitute regelrecht vollgesogen mit Staatsanleihen ihrer Heimatländer.

Mit dieser gefährlichen Liaison zwischen Staaten und Banken soll nach dem Willen der EZB bald Schluss sein. Denn die Schieflage eines Staates kann (und hat auch schon) eine schwere Banken- bzw. Finanzkrise auslösen.

In der Praxis werden Staatsanleihen als risikolos behandelt. Dies zeigt sich auch an den Regeln zur Bankenregulierung. Staatsanleihen besitzen das Privileg, dass Banken für sie weder Risikokapital vorhalten noch die üblichen Beschränkungen für Großkredite beachten müssen. Dieses Privileg dient den Staaten und den Finanzinstituten unter anderem zum reibungslosen Absatz der Staatsanleihen bei Banken und Versicherern.

Die Forderung, dass Staatsanleihen in den Bilanzen von Banken und Versicherern nicht länger als risikolose Anlage betrachtet werden dürfen, hat neue und sehr prominente Fürsprecher erhalten.

Der Europäische Risikorat (ESRB) unter Vorsitz des Präsidenten der Europäischen Zentralbank), Mario Draghi, har sich in dem in Frankfurt veröffentlichten Bericht klar positioniert: „Das aktuelle Regulierungssystem für Staatsanleihen, die von Finanzierungsinstituten gehalten werden, muss auf weltweiter Ebene überarbeitet werden.“, heißt es in dem Bericht. Ein Regulierungsansatz, der sich an den tatsächlichen Ausfallrisiken orientierte, müsste die durch Staatsanleihen entstehenden Gefahren einbeziehen.

Bislang müssen Banken Staatsanleihen in ihren Bilanzen kaum oder mit gar keinem Eigenkapital besichern (Staatsanleihen-Privileg). Das sei inkonsistent. Draghi schreibt im Vorwort des Berichts, eine Debatte darüber sei „lange überfällig“. Verfasst haben den Report, in dem auch mehrere künftige Regulierungsansätze durchgespielt werden, Wissenschaftler wie Martin Hellwig (Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter) sowie zahlreiche europäische Notenbankvertreter und Bankenaufseher.

Ausführlich schildern die Autoren, wie sich Banken und Versicherungen – vorwiegend in den südeuropäischen Ländern – seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 mit Staatsanleihen vollgesogen haben. So hielten die Banken in Spanien, Griechenland, Irland, Italien und Portugal Mitte 2008 noch weniger als 4 Prozent ihrer gesamten Anlagen in Staatsanleihen. Bis September 2014 steigerten sie diesen Anteil demnach auf mehr als 9 Prozent. In den von der Krise weniger betroffenen Ländern blieb die Rate dagegen etwa konstant.

Diese erheblichen und konzentrierten Investitionen in Staatsanleihen sind nach Ansicht des Gremiums ein systemisches Risiko: Der durch die Regulierung gesetzte Anreiz, sich mit Staatspapieren einzudecken, könnte

  • zu übermäßigen Investitionen führen ,
  • die Kreditvergabe an die Realwirtschaft verdrängen und
  • die Funktionsweise des gesamten Finanzsystems beeinträchtigen,

warnt die Mehrheit der an dem Bericht beteiligten Fachleute.

Das Thema des Berichts ist hochaktuell. Denn die drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zeigt, wie realitätsfern die Annahme ist, dass Staaten ihre Anleihen stets bedienen können.

Auch eine Arbeitsgruppe des für die Standards der Bankenaufsicht zuständigen Baseler Ausschusses beschäftigt sich seit einiger Zeit mit diesem heiklen Thema. Dort wollen die Fachleute des Europäischen Risikorates die Ergebnisse ihres mehr als zweihundert Seiten starken Berichts vorbringen. Explizit will der Risikorat seine Einschätzung zu den Risiken und seine Analyse möglicher Reformen aber nicht als Politikempfehlung, sondern als Bestandsaufnahme verstehen.

Der Bericht des an der EZB angesiedelten Rates, an dem drei Jahre lang gearbeitet wurde, erscheint einen Tag nachdem die Notenbank selbst damit begonnen hat, im großen Stil Staatsanleihen zu kaufen. Durch das Kaufprogramm stehen die Europäische Zentralbank und andere Finanzinstitutionen in Konkurrenz.

Nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) benötigen die europäischen Banken bis Oktober 2015 noch 20 Milliarden Euro für einen Liquiditätsprüfer, mit dem sie in Krisenzeiten ihre Zahlungsfähigkeit sicherstellen sollen. Im Gegensatz dazu will die EZB jeden Monat Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen – den Großteil sollen Staatsanleihen bilden.

Nun hat sich auch die Präsidentin der neuen EZB-Bankenaufsicht, Daniele Nouy, zu Wort gemeldet und gleich einen konkreten Vorschlag präferiert: „Banken dürfen einem einzelnen Schuldner nicht mehr Geld leihen als höchstens ein Viertel ihres Eigenkapitals. Das wäre auch eine sinnvolle Größenordnung für Staatsanleihen“, sagte sie in einem Handelsblatt-Interview. Damit soll für Staatsanleihen künftig die gleiche Obergrenze gelten wie bei sog. Großkrediten.

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