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Archive for June, 2015

Ratlose Anleger in schwierigen Zeiten

Das aktuelle Marktumfeld stellt Anleger vor nie dagewesenen Herausforderungen. Vor allem viele Kleinanleger und Kleinsparer wissen derzeit nicht, wohin mit ihrem Geld. Auf Sparkonten, Termingeld und bei Anleihen gibt es angesichts der Niedrigzinsen nur Verluste. Doch andere Anlageklassen wie Aktien sind ihnen oftmals suspekt, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des www.Investoren-Brief.de.

Orientierung suchen sie daher auf vielfältigen Wegen. Viele von ihnen stecken in einem Dilemma: Die Kurse von Anleihen guter Bonität, in die sie jahrelang gerne investiert haben, steigen immer weiter. Daher ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen deutlich unter 1% gerutscht. Was noch vor wenigen Monaten kaum einer für möglich hielt, rückt näher: Die Nullgrenze.

Die Rally an den Aktienmärkten steckt aber bereits in ihrem siebten Jahr. Vor allem die Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) treiben den Dax ständig in neue Höhen, zuletzt auf ein Allzeithoch von deutlich über 12.000 Punkten. Selbst Rücksetzer ändern an dem Rekordlauf nur wenig.

Die Suche nach Alternativen ist schwierig: Experten raten dass die Anleger endlich auch anfangen sollten, mit der Anlageklasse Aktien sich auseinander zu setzen. Aber die Anleger bleiben skeptisch. Laut Daten der deutschen Bundesbank vermehrten die privaten Haushalte zwar ihr Vermögen in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen und Versicherungen im Schlussquartal 2014 gegenüber dem Vorquartal um 69 Mrd. € auf über 5 Billionen €. Allein der Boom an den Börsen führte zu einem Bewertungsgewinn von 28 Mrd. €. Dieser dürfte sich aber auf relativ wenige Anleger verteilen. Denn nur etwa 13% der Bevölkerung halten Aktien oder Aktienfonds, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) angibt.

Nach Expertenmeinung führt aber derzeit kein Weg an Aktien vorbei. Auch konservative Anleger sollten 15% bis 20% in Aktien investiert haben. Allerdings sollten sie sich auf einige Turbulenzen und Kursrücksetzer gefasst machen.

Den potenziellen Risiken an den Finanzmärkten wie etwa den geopolitischen Krisen stehen die Anlageprofis dennoch recht gelassen gegenüber. Menschlich sind die aktuellen Konflikte in Syrien, im Irak und im Jemen natürlich verheerend, an den Aktienmärkten wird davon aber kaum etwas zu spüren sein.

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone halten die Experten zwar für realistisch. Sie sehen aber auch hierdurch keine Verwerfungen auf die Märkte zukommen. Eine Ansteckungsgefahr für andere Länder in Südeuropa wie Italien und Spanien müssen Anleger nicht fürchten.

Auch von der erwarteten Zinserhöhung in den USA gehen keine Bedrohungen für die Finanzmärkte aus. Zwar wird die Notenbank im Laufe des Jahres einen ersten Zinsschritt wagen. Von einer Zinswende sei man aber weit entfernt. Daher glauben die Anlageprofis, dass die Aktienmärkte trotz der Rückschlaggefahr dieses Jahr weiter zulegen werden.

Der wichtigste Grund für die Hoffnung auf neue Kursgewinne ist das Anleihekaufprogramm der EZB, die bis September 2016 monatlich 60 Mrd. € an Staatsanleihen und andere Wertpapiere aus der Euro-Zone aufkaufen will. Auch die jüngsten Diskussionen ob dieses Programm früher als geplant enden könnte, geben die Experten nichts.

Solange die Inflation nicht in Richtung 2% tendiert, wird die Notenbank weitere Anleihen kaufen. Weiteres Kurspotenzial könnten die Unternehmen selbst mit ihren aktuellen Quartalszahlen bieten. Experten rechnen damit, dass der niedrigere Ölpreis und der schwächere Euro zu positiven Konjunkturentwicklungen führen.

Wichtig ist aber, dass Sparer, die bisher kaum Erfahrung mit Aktien haben, beim aktuellen Dax-Stand nicht ihr gesamtes Vermögen auf einmal investieren. Wer sukzessive mit kleineren Beträgen einsteigt, kann kaum etwas falsch machen. Zudem sollten Anleger nicht mehr nur über Indexfonds in den breiten Markt investieren.

Außerdem müssen die Anleger sich wohlfühlen mit ihrer Anlage. Wenn sie nicht mehr schlafen können, weil sie die Schwankungen an der Börse nicht ertragen können, dann sind Aktien die falsche Anlageklasse. Deshalb sind auch Tipps zu Anleihen gefragt. Aber hier ist die Rendite besonders gering. Und auch das Risiko ist zu beachten.

Daher interessieren sich viele Anleger auch für Gold. Am besten geeignet ist der Kauf von physischem Edelmetall. Wer in erster Linie nicht auf steigende Notierungen spekulieren möchte, der greift am besten zu Barren und Münzen. Anders als bei Gold-Fonds oder Gold-Zertifikaten kann der Anleger sicher sein, jederzeit auf seine Bestände zugreifen zu können. Gold dient damit als eine Art Versicherung gegen unvorhersehbare, größere Kursabstürze der anderen Anlageklassen.

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Menetekel: Zinslose Bundesanleihen?

Was früher undenkbar schien, könnte bald Realität werden: 10-jährige deutsche Staatsanleihen – an Europas Finanzmärkten das Maß der Dinge – werfen vielleicht schon bald keine Zinsen mehr ab.

In der vorletzten Woche fiel ihre Rendite erstmals unter die Marke von 0,1%. Inzwischen haben sich die Renditen zwar bis in die Nähe von 0,8 % erholt, für viele Experten nur ein Zwischenhoch, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des http://www.Investoren-Brief.de.

Es könnte in den nächsten Wochen noch heftiger kommen: Unter Fachleuten gilt es nur als Frage der Zeit, bis der Zins unter die Nullgrenze fällt. Das würde bedeuten: Leiht man dem Staat für zehn Jahre sein Geld, bekommt man nicht nur keine Zinsen, man müsste sogar drauf zahlen. Der Staat würde fürs Schulden machen vom Anlegern oder Investoren sogar Geld bekommen.

Das Anleger für die Geldanlage zahlen müssen, anstatt Zinsen zu erhalten, klingt nach verkehrter Welt. Aber in einer Zeit, in der Notenbanken ihre Geldpolitik extrem locker halten und die Märkte mit Billiggeld fluten, scheint das die „neue Normalität“ zu sein.

Ganz vorn dabei ist die Europäische Zentralbank (EZB). Seit Anfang März lässt sie ihre neue Geldflut über die Finanzwelt schwappen. Mit Anleihekäufen von mehr als 1 Billionen Euro will sie sich gegen einen vermeintlich schädlichen Preisverfall (Deflation) stemmen. Inwieweit das gelingt, ist offen – die Folgen an den Finanzmärkten sind schon jetzt drastisch.

Auf der Gewinnerseite steht der Staat, der sich über die Ausgabe von Bundesanleihen so günstig verschulden kann wie nie zuvor. Zu den Verlierern zählen dagegen die deutschen Sparer, Anleger und Investoren, die ihr Geldvermögen traditionell in Festverzinsliche oder andere sichere Anlagen stecken. Die DZ Bank kommt zu dem Ergebnis, dass den privaten Haushalten in den vergangenen fünf Jahren 190 Mrd. € an Zinsen verloren gegangen sind.

Weil in Europa bereits ein Drittel aller Staatsanleihen negative Zinsen tragen, sieht der Internationale Währungsfonds Versicherungsunternehmen und Banken in Bedrängnis. Zinseinnahmen aus Staatsanleihen stellen für sie eine wichtige Einnahmequelle dar, aus denen sie Ausgaben finanzieren kann. Fallen die Zinsen, fallen auch die Ertragschancen der Banken und Versicherungen.

Aber aktuell sind an den Märkten für Staatsanleihen mit langen Laufzeiten die Renditen unerwartet deutlich gestiegen. Das gilt nicht zuletzt für den Euroraum, wo eine zehnjährige Bundesanleihe vor vier Wochen mit 0,07 und kurze Zeit später mit 0,70% rentierte. Der Renditeanstieg lässt sich in anderen Teilen Europas ebenso beobachten wie in Übersee: Ein globales Phänomen benötigt eine globale Erklärung.

Es liegt nahe, den Anstieg der Renditen mit einer sich verändernden Wahrnehmung des Themas Inflation zu verbinden. Der starke Rückgang der Anleiherenditen in den Vormonaten war durch die im Zuge des einbrechenden Ölpreises sinkenden Inflationsraten gefördert worden.

Der Ölpreis sinkt aber schon seit Januar nicht mehr. Stattdessen steigt er. Das Thema Deflation ist damit aus den Debatten verschwunden. Stattdessen beginnen Ökonomen, in ihren Prognosen der Wirtschaftsentwicklung langsam zunehmende Inflationsraten zu berücksichtigen. Das Ziel der Europäischen Zentralbank, die Inflationsrate allmählich auf das erwünschte Niveau von knapp 2% zu bringen, erscheint nicht länger sehr fern liegend. Zu einer sich allmählich beschleunigenden Geldentwertung passen keine sinkenden Anleiherenditen, sondern steigende. Insofern ist die aktuelle Entwicklung an den Anleihemärkten ökonomisch her leitbar, auch wenn sich viele Marktteilnehmer noch erstaunt zeigen.

Die Renditen werden in den nächsten Wochen und Monaten nicht in den Himmel klettern. Die Inflationsrate dürfte auch nur langsam steigen. Es spricht aber einiges dafür, dass negative Renditen am Kapitalmarkt eine Ausnahme bleiben und kein Dauerthema in den nächsten Monaten werden.

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