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Menetekel: Zinslose Bundesanleihen?

Was früher undenkbar schien, könnte bald Realität werden: 10-jährige deutsche Staatsanleihen – an Europas Finanzmärkten das Maß der Dinge – werfen vielleicht schon bald keine Zinsen mehr ab.

In der vorletzten Woche fiel ihre Rendite erstmals unter die Marke von 0,1%. Inzwischen haben sich die Renditen zwar bis in die Nähe von 0,8 % erholt, für viele Experten nur ein Zwischenhoch, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des http://www.Investoren-Brief.de.

Es könnte in den nächsten Wochen noch heftiger kommen: Unter Fachleuten gilt es nur als Frage der Zeit, bis der Zins unter die Nullgrenze fällt. Das würde bedeuten: Leiht man dem Staat für zehn Jahre sein Geld, bekommt man nicht nur keine Zinsen, man müsste sogar drauf zahlen. Der Staat würde fürs Schulden machen vom Anlegern oder Investoren sogar Geld bekommen.

Das Anleger für die Geldanlage zahlen müssen, anstatt Zinsen zu erhalten, klingt nach verkehrter Welt. Aber in einer Zeit, in der Notenbanken ihre Geldpolitik extrem locker halten und die Märkte mit Billiggeld fluten, scheint das die „neue Normalität“ zu sein.

Ganz vorn dabei ist die Europäische Zentralbank (EZB). Seit Anfang März lässt sie ihre neue Geldflut über die Finanzwelt schwappen. Mit Anleihekäufen von mehr als 1 Billionen Euro will sie sich gegen einen vermeintlich schädlichen Preisverfall (Deflation) stemmen. Inwieweit das gelingt, ist offen – die Folgen an den Finanzmärkten sind schon jetzt drastisch.

Auf der Gewinnerseite steht der Staat, der sich über die Ausgabe von Bundesanleihen so günstig verschulden kann wie nie zuvor. Zu den Verlierern zählen dagegen die deutschen Sparer, Anleger und Investoren, die ihr Geldvermögen traditionell in Festverzinsliche oder andere sichere Anlagen stecken. Die DZ Bank kommt zu dem Ergebnis, dass den privaten Haushalten in den vergangenen fünf Jahren 190 Mrd. € an Zinsen verloren gegangen sind.

Weil in Europa bereits ein Drittel aller Staatsanleihen negative Zinsen tragen, sieht der Internationale Währungsfonds Versicherungsunternehmen und Banken in Bedrängnis. Zinseinnahmen aus Staatsanleihen stellen für sie eine wichtige Einnahmequelle dar, aus denen sie Ausgaben finanzieren kann. Fallen die Zinsen, fallen auch die Ertragschancen der Banken und Versicherungen.

Aber aktuell sind an den Märkten für Staatsanleihen mit langen Laufzeiten die Renditen unerwartet deutlich gestiegen. Das gilt nicht zuletzt für den Euroraum, wo eine zehnjährige Bundesanleihe vor vier Wochen mit 0,07 und kurze Zeit später mit 0,70% rentierte. Der Renditeanstieg lässt sich in anderen Teilen Europas ebenso beobachten wie in Übersee: Ein globales Phänomen benötigt eine globale Erklärung.

Es liegt nahe, den Anstieg der Renditen mit einer sich verändernden Wahrnehmung des Themas Inflation zu verbinden. Der starke Rückgang der Anleiherenditen in den Vormonaten war durch die im Zuge des einbrechenden Ölpreises sinkenden Inflationsraten gefördert worden.

Der Ölpreis sinkt aber schon seit Januar nicht mehr. Stattdessen steigt er. Das Thema Deflation ist damit aus den Debatten verschwunden. Stattdessen beginnen Ökonomen, in ihren Prognosen der Wirtschaftsentwicklung langsam zunehmende Inflationsraten zu berücksichtigen. Das Ziel der Europäischen Zentralbank, die Inflationsrate allmählich auf das erwünschte Niveau von knapp 2% zu bringen, erscheint nicht länger sehr fern liegend. Zu einer sich allmählich beschleunigenden Geldentwertung passen keine sinkenden Anleiherenditen, sondern steigende. Insofern ist die aktuelle Entwicklung an den Anleihemärkten ökonomisch her leitbar, auch wenn sich viele Marktteilnehmer noch erstaunt zeigen.

Die Renditen werden in den nächsten Wochen und Monaten nicht in den Himmel klettern. Die Inflationsrate dürfte auch nur langsam steigen. Es spricht aber einiges dafür, dass negative Renditen am Kapitalmarkt eine Ausnahme bleiben und kein Dauerthema in den nächsten Monaten werden.

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