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Archive for July, 2015

Auswirkungen des EZB-Anleihekaufprogramms

Seit rund vier Monaten kauft die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms für rund 60 Mrd. € im Monat und einem Gesamtvolumen von über eine Billion Euro Wertpapiere, darunter vor allem Staatsanleihen. Nachdem die Renditen der Anleihen (Staats- wie Unternehmensanleihen) zu Beginn des Kaufprogramms gesunken waren, sind sie, zur Überraschung vieler Marktteilnehmer, seitdem wieder etwas gestiegen.

Für Ökonomen und Anleger ist es sehr interessant, aber auch noch sehr früh, um mögliche Auswirkungen dieses Programms auf die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung zuversichtlich einzuschätzen, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

Insbesondere für Investoren und Anleger wäre es bedeutsam, die Auswirkungen auf die Finanz- und Kapitalmärkte richtig einzuschätzen und diese Effekte in ihre eigenen Anlageentscheidungen mit einzubeziehen. Da das EZB-Anleihekaufprogramm also noch eher kurz läuft, bietet es sich an, frühere Anleihekaufprogramme anderer Zentralbanken auf ihre Auswirkungen zu analysieren.

In welchen Ländern liegen Erfahrungen mit Anleihekaufprogrammen einer Zentralbank vor?

Welche Auswirkungen hatten diese Anleihekaufprogramme?

  1. Auswirkungen des Anleihekaufprogramms der Bank of England

Im Frühjahr 2009 begann die Bank of England mit Ankäufen, deren Volumen sich im Herbst 2012 auf 375 Mrd. Pfund beliefen. Drei britische Ökonomen haben kürzlich auf der Basis dieser Erfahrungen die verbreitete These getestet, wonach die mit den Käufen von Anleihen verbundene Schöpfung neuen Geldes die Geschäftsbanken zu einer Vergabe zusätzlicher Kredite an Unternehmen und Privatpersonen veranlasse und auf diesem Wege eine Belebung der Wirtschaft in Gang setze.

Das mit einer solchen Vorstellung verbundene Problem ist, dass eine Zentralbank keinen direkten Einfluss auf die Kreditvergabe der Kreditinstitute an die Privatwirtschaft hat. Die Geschäftsbanken müssen Kredite vergeben wollen, und die Unternehmen und Privatleute müssen Kredite aufnehmen wollen, damit dieser Mechanismus funktioniert. Schon im Jahr 2009 hatte die Führung der Bank of England in diesen aus der ökonomischen Theorie bekannten Kreditkanal (bank lending channel) wenig Vertrauen besessen. Die neue Studie der drei Ökonomen bestätigt den Befund: Einfluss der Käufe von Anleihen durch die Zentralbank auf die Kreditvergabe in der britischen Privatwirtschaft lässt sich nicht nachweisen.

  1. Auswirkungen des Anleihekaufprogramms der Bank of Japan

Einige Jahre früher als die Bank of England hatte die Bank of Japan mit Käufen von Anleihen begonnen. Eine Untersuchung der amerikanischen Zentralbank Fed kommt für die Jahre 2000 – 2009 zwar zu dem Ergebnis, dass die Käufe von Anleihen durch die Zentralbank eine Belebung der Kreditvergabe in der Privatwirtschaft angestoßen hätten. Allerdings heißt es einschränkend, dass dieser Effekt nur klein und vorübergehend gewesen sei.

  1. Auswirkungen des Anleihekaufprogramms der Fed in den USA

In den Vereinigten Staaten hatte die Fed in den vergangenen sieben Jahren mehrere Kaufprogramme für Anleihen umgesetzt. Daher liegen dort reiche Erfahrungen vor, die in einer Vielzahl von Studien untersucht wurden. In den Vereinigten Staaten zielte die Fed vor allem auf den Markt für langlaufende Staatsanleihen, deren Renditen sie senken wollte. Die Ergebnisse dieser Politik sind aber nicht offensichtlich. Es gibt mehrere Studien mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

Dies stützt die Ansicht mancher Theoretiker die Anleihekäufe von Zentralbanken für wirkungslosen Aktionismus halten. Es existieren auch theoretische Modelle, aus denen sich solche Ergebnisse ableiten lassen. Insofern sollten auch an das Kaufprogramm der EZB keine so großen Erwartungen gerichtet werden.

 

  1. Portfolioeffekte des Anleihekaufprogramms?

Ökonomen, die sich von Anleihekäufen einer Zentralbank positive Wirkungen für die wirtschaftliche Entwicklung versprechen, setzten eher auf einen anderen Effekt, den sog. Portfolioeffekt. Er geht davon aus, dass nicht alle Anleger, die der Zentralbank Anleihen verkaufen, das zinslose Geld halten wollen, dass sie für die verkauften Anleihen erhalten. Stattdessen ist damit zu rechnen, dass diese Anleger mit dem Geld Wertpapiere kaufen wollen, die sie als Substitute für ihre verkauften Anleihen betrachten.

Anleger, die Staatsanleihen mit fünf jähriger Laufzeit an die Zentralbank verkauft haben, könnten beispielsweise auf die Idee kommen, mit dem Geld fünf jährige Unternehmensanleihen zu kaufen. Dies hätte steigende Kurse und sinkende Renditen für Unternehmensanleihen zur Folge.

Diese Umschichtungen von Finanzvermögen können in zweierlei Hinsicht die Wirtschaft beleben: Niedrige Renditen für Unternehmensanleihen und höhere Aktienkurse führen zu niedrigeren Finanzierungskosten für Unternehmen und können damit zusätzliche Sachinvestitionen anregen. Hinzu kommt, dass als Ergebnis höherer Kurse für Anleihen und Aktien der Wert der Vermögen steigt. Dies könnte die Besitzer der Vermögen zu zusätzlichen Konsumausgaben veranlassen.

Auf diese Portfolioeffekte hatte unter anderem der frühere Fed-Vorsitzende Bernanke vertraut. Auch der Chefvolkswirt der EZB hat vor Beginn des Ankaufprogramms seine Hoffnungen auf diesen Effekt gesetzt. Aber auch dieser Effekt lässt sich nicht leicht nachweisen. Eine Arbeit von Ökonomen der Bank of England kommt zwar zu dem Schluss, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank eine zusätzliche Nachfrage privater Großanleger nach Unternehmensanleihen zur Folge hat. Allerdings ist ein positiver Effekt auf dem Aktienmarkt nicht nachweisbar gewesen.

  1. Internationale Auswirkungen von Anleihekaufprogrammen der Zentralbanken

Damit ist die Frage nach möglichen Auswirkungen von Anleihekaufprogrammen der verschiedenen Zentralbanken aber noch nicht abschließend geklärt. Viele Studien spüren zwar nur binnenwirtschaftlichen Wirkungen von Anleihekäufen nach. In zweierlei Hinsicht sind aber auch internationale Auswirkungen auf die Finanz- und Kapitalmärkte vorstellbar und nachweisbar.

Erstens ist denkbar, dass die Zentralbanken mit ihrer Geld- und Kaufpolitik den Wechselkurs ihrer Währung beeinflussen. Eine Abwertung der Währung ist eine wahrscheinliche Folge. Dies könnte zumindest vorübergehend den Export und einen leichten Anstieg der Inflationsrate befördern. So ist die öffentliche Diskussion des EZB-Kaufprogramms von einer spürbaren Abwertung des Euros am Devisenmarkt und einer Ankurbelung des Exports aus dem Euro-Raum begleitet worden.

Zweitens sind auch Auswirkungen von Anleihekaufprogrammen in Industrienationen auf Schwellen- und Entwicklungsländer denkbar. Aktuell wurde dies in einer Studie aus der Weltbank für Mexiko nachgewiesen. Die sehr niedrigen Renditen für Anleihen aus Industrienationen haben in den vergangenen Jahren viele Großanleger zu Anleihekäufen in Schwellenländern bewogen. Gelichzeitig haben die Abwertungen von Währungen aus Industrienationen Schwellenländer zu Senkungen ihrer Leitzinsen veranlasst, um die Aufwertungen ihrer Währungen zu bremsen.

Der Export der Wirkungen von Anleihekäufen in Schwellenländern wird von zahlreichen Ökonomen sehr kritisch gesehen, weil er mit Gefahren für die Stabilität des internationalen Finanzsystems einhergehen kann. Davor warnen unter anderem Experten aus der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

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Reformgesetz gegen Dispo-Fallen

Die Banken machen aus den Dispokrediten ein großes Geheimnis. Kein Wunder, denn sie verdienen mit den Zinsen auf diese Kredite sehr viel Geld. Daher geben die Geldhäuser auch keine Auskunft über die Anzahl der Kunden, die sich verschulden, oder die Höhe, in der sie sich verschulden, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden, kostenfreien www.Investoren-Brief.de.

Als die Zeitschrift „Finanztest“ im vergangenen Herbst bei 1.600 Banken nach den Konditionen recherchierte, verweigerten mehr als 600 Kreditinstitute eine Antwort komplett, auch im Internet wurden die Dispozinsen nicht veröffentlich. Viele hatten nicht einmal einen Aushang, aus dem hervorgeht, in welcher Höhe Strafzinsen erhoben werden. Auch deshalb überlegt Bundesverbraucherminister Maas (SPD) den Geldinstituten vorzuschreiben, ihre Konditionen sowohl in der Filiale als auch im Internet zu veröffentlichen.

Dabei würde mehr Information nottun, denn immer noch gehören die Deutschen zur internationalen Spitzengruppe der Kreditnehmer. Eine repräsentative Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass etwa 43% der Befragten ihren Dispokredit wenige Male im Jahr überziehen, für 17% ist sie sogar eine regelmäßige Geldquelle. Mehr als 30% der Dispobezieher nutzen ihren Kreditrahmen vornehmlich in Beträgen über 500,00 Euro.

Die effektiven Zinsen für die Überziehung sollen laut Bundesbank bei etwa 9% liegen. Der Vergleichszinssatz, zu dem die Banken sich untereinander Geld leihen können, der 3-Monats-Euribor, liegt bei rund 0,04%. Damit erzielen die Banken eine unanständige Rendite von 9%.

Laut Bundesbank lag das Neugeschäftsvolumen bei Überziehungskrediten und revolvierenden Krediten bei knapp 36 Mrd. Euro. Die Deutschen zahlen damit im Durchschnitt rund 40 Euro an ihre Bank für den Dispokredit, zusätzlich natürlich zu evtl. Kontoführungsgebühren und anderen Kosten. Da sich die Banken aber auch nicht zu den Ausfallraten äußern, ist es allerdings schwierig, ihren Gewinn zu schätzen. Erfahrungsgemäß ist die Ausfallrate bei den Dispokrediten aber eher sehr niedrig. Von der Stiftung Warentest wurden Ausfallraten zwischen 0 und 3,8% geschätzt. Damit gelten die Kredite als relativ Ausfallsicher für die Geldhäuser.

Der Dispokredit fällt für die Nutzer indes nicht weiter ins Gewicht, wenn er kurzfristig genutzt wird. Doch richtig teuer wird es bei einem Dispositionskredit, wenn er über das gesamte Jahr geht.

Doch was können nun Menschen tun, die trotzdem kurzfristig an Geld kommen müssen?

Zuerst gilt die eiserne Regel: Schuldentilgung vor Vermögensaufbau.

Das heißt konkret: Bevor der Dispo beansprucht wird, sollte man evtl. vorhandene Tagesgeldkonten oder Sparbücher auflösen. Sollte das Geld dann immer noch nicht reichen, kann man in den Dispositionskredit gehen, aber das sollte auch nur dann geschehen, wenn man weiß, dass er auch kurzfristig zurückgezahlt werden kann, denn ansonsten wird es teuer.

Wenn ab und an der Dispokredit genutzt wird, kann auch ein Wechsel zu einer anderen Bank günstig sein. Zum Teil haben die Direktbanken deutlich günstigere Konditionen als ihre Filial-Konkurrenten.

Falls der Dispokredit dagegen wirklich regelmäßig genutzt wird, lohnt sich tatsächlich der Vergleich mit einem Ratenkredit. Die Verbraucherzentralen empfehlen das, sobald man länger als 6 bis 9 Monate im Dispo steckt. Die Zinsen für einen Ratenkredit sind fast immer um die Hälfte niedriger.

Nun hat das Bundeskabinett aktuell einen Gesetzentwurf beschlossen, die Kreditinstitute zu verpflichten, die Kunden von Banken und Sparkassen, die ihr Girokonto permanent überziehen, künftig über billigere Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren.

Der Gesetzentwurf des Bundesministers der Justiz und Verbraucherschutz sieht vor, dass ein Beratungsgespräch, wenn ein Dispositionskredit dauerhaft und in erheblicher Höhe genutzt wird, verpflichtend ist. Der Bundesminister zeigte sich bei der Vorstellung des Gesetzesentwurfs überzeugt, dass ein Beratungsgespräch über Alternativen zum Dispo in vielen Fällen helfen wird, wenn Verbraucher in der Dispo-Falle stecken.

Bundesjustizminister Maas wies darauf hin, dass die Banken auch verpflichtet wären, über die Höhe der Dispozinsen auf ihrer Webseite gut sichtbar zu informieren. Dadurch versetzte man die Verbraucher in die Lage, die Zinssätze schnell und einfach miteinander zu vergleichen. „Damit machen wir es den Banken schwerer, unangemessen hohe Dispozinsen zu verlangen“, erläuterte Maas.

Die in der Deutschen Kreditwirtschaft zusammengeschlossene Spitzenverbände begrüßen den Vorschlag der Bundesregierung, dass Beratungsangebot an Kunden zu richten, die den Dispositionskredit über einen längeren Zeitraum und in einem erheblichen Umfang nutzen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die neue Maßnahme zielgerichtet dort eingesetzt wird, wo tatsächlich Probleme bestehen können. Banken und Sparkassen würden in den Gesprächen gemeinsam mit dem Kunden Lösungsmöglichkeiten ausloten.

Wie aus dem Gesetzentwurf hervorgeht, gabt es zuletzt rund 100 Mio. Girokonten in Deutschland, 75% davon haben einen Dispo-Rahmen. Diesen nutzen 4,8 Mio. länger als 6 Monate und mit mehr als 75% der eingeräumten Summe. Hinzu kommen 1,85 Mio. Fälle, in denen kein Dispokredit vereinbart worden ist, aber dennoch das Konto länger erheblich im Minus steht.

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Europas große Banken – Schwache deutsche Kreditinstitute

Die deutschen Banken zählen weder zu den ertragsstärksten noch zu den effizientesten Banken in Europa. Doch von ihrer schieren Größe her gehören sie zu den größten Instituten in Europa. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des amerikanischen Finanzanalysehauses SNL Financial, die aktuell veröffentlicht wurde. Demnach befinden sich unter den 50 größten Banken Europas sieben aus Deutschland. Jeweils sechs Banken weisen in dieser Rangliste Großbritannien, Frankreich und Spanien auf. Jeweils vier Institute kommen aus Italien, Schweden und der Schweiz. Ausgehend von der Wirtschaftskraft Deutschlands und im Vergleich zu anderen europäischen Staaten schneiden die deutschen Banken damit äußerst dürftig ab, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden www. Investoren-Brief.de. Gemessen an der Bilanzsumme Ende 2014 war die größte Bank in Europa die britische HSBC, die sehr stark in Asien vertreten ist. Ihr Geschäftsvolumen belief sich auf 2,5 Billionen Euro. Dahinter folgt die französische BNP Paribas mit 2,4 Billionen Euro. Mit einer Bilanzsumme von 1,959 Billionen Euro konnte sich die britische Barclays knapp vor der Deutschen Bank platzieren, die auf 1,955 Billionen Euro und Rang vier kommt. Auf Rang 20 liegt die Commerzbank mit 605 Milliarden Euro. Vier Plätze dahinter folgt die DZ Bank mit 403 Milliarden Euro. In dieser Rangliste taucht die deutsche staatliche Förderbank KfW nicht auf, die mit einer Bilanzsumme von 489 Milliarden Euro das drittgrößte Kreditinstitut in Deutschland wäre. Auf den hinteren Plätzen der Europa-Tabelle folgen vier Landesbanken: auf Rang 31 die Landesbanken Baden Württemberg (300 Milliarden Euro), auf Rang 36 die Bayrische Landesbank (239 Milliarden Euro), auf Rang 39 die Norddeutsche Landesbank (203 Milliarden) und auf Rang 45 die Landesbank Hessen-Thüringen (193 Milliarden). Doch die Größe der Bilanz sagt nichts aus über den Wert an der Börse. An diese schmerzliche Erfahrung hat sich die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren gewöhnen müssen. Mit ihrem Börsenwert von 39 Milliarden Euro liegt sie in der Rangliste der wertvollsten Banken Europas nur auf dem 14. Rang. Mit 15 Milliarden Euro erreicht die Commerzbank Platz 30. Die Börsenrangliste führt abermals HSBC mit 157 Milliarden Euro an. Die wertvollste Bank der Eurozone bleibt die spanische Santander mit 90 Milliarden Euro.

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Kritik der BIZ an Wirtschafts- und Geldpolitik

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer Gewöhnung an eine Welt mit dauerhaft sehr niedrigen Zinssätzen. Insbesondere die negativen Renditen einiger Staatsanleihen sind besorgniserregend und beispiellos. Nach Ansicht der BIZ, der in Basel ansässigen „Bank der Zentralbanken“, ist eine grundlegende Neuausrichtung der Wirtschafts- und Geldpolitik notwendig, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden, kostenfreien www.Investoren-Brief.de.

Die Wirtschafts- und Geldpolitik der Zentralbanken muss weg von einer kurzfristigen Ausrichtung auf die Steuerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zu einer mittel- und längerfristigen Ausrichtung, die Wert auf effizientere Wirtschaftsstrukturen legt und von einem schuldenfinanzierten Wachstumsmodell wegführt. Das hat nach Ansicht der BIZ als politischer und gesellschaftlicher Ersatz für produktivitätssteigernde Reformen gedient.

An den Finanzmärkten sieht die BIZ einen Wandel, der zur Verlagerung mancher Risiken von den Banken zu Vermögensverwaltern wie Fondgesellschaften und Versicherungen führt. Trotz beachtlicher Anstrengungen zur Stärkung der Eigenkapital- und Liquiditätsausstattungen haben die Banken in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften immer noch mit der Skepsis der Märkte zu kämpfen. In Folge dessen haben sie einen Teil ihres traditionellen Finanzierungsvorteils in Bezug auf potentiellen Kunden eingebüßt. Hinzu kommen Probleme, die sich aus dem allmählichen Wegbrechen ihrer Zinserträge und der Zunahme ihrer Zinsänderungsrisiken ergeben und die ihre künftige Widerstandsfähigkeit schwächen könnte.

Die Verlagerung von Geschäften zu Fonds und Versicherungen betrachten die Ökonomen der BIZ nicht nur als Vorteilhaft. Unter dem Zwang, attraktive Renditen zu erzielen, hätten viele Vermögensverwalter in den vergangenen Jahren Kreditnehmer in den Schwellenländern finanziert, heißt es im Jahresbericht der BIZ. Andererseits seien die sehr niedrigen Zinsen in den meisten Industrienationen für Versicherungsunternehmen auch mit Risiken verbunden. Gerieten sie in Schwierigkeiten wäre dies auch für die Realwirtschaft ein Problem.

In ihrem aktuellen Jahresbericht geht die BIZ der Frage nach, warum die Zinsen so niedrig sind, obgleich die Weltwirtschaft kaum schwächer wächst als im Durchschnitt. Die Gründe für diese Entwicklung sind ausgesprochen schwer nachvollziehbar. Ein wichtiger Grund sei nach Ansicht der Basler Ökonomen in dem Unvermögen zu sehen, in einer globalisierten Wirtschaft die Vorgänge an den Finanzmärkten mit der Entwicklung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen sowie der Inflation in Einklang zu bekommen. So seien enorm schädliche finanzielle Ungleichgewichte entstanden.

Die Analyse der BIZ aus Basel sieht folgendermaßen aus:

Aufschwünge an den Finanzmärkten, die dort zu hohen Preisen führen, können unrentable Investitionen befördern und damit die Produktivität in der Wirtschaft so wie im Aufschwung wie in der nachfolgenden Krise beschädigen. Das Internationale Währungs- und Finanzsystem hat diese Ungleichgewichte verstärkt, in dem eine sehr lockere Geldpolitik auch in Ländern betrieben wurde, die diese nicht brauchten. Der Geldpolitik ist damit viel zu lange zu viel aufgebürdet worden. Die Geldpolitik muss nach Ansicht der BIZ Teil der Antwort sein, sie kann aber nicht die ganze Antwort geben.

Die Zinssätze und die aktuelle Wirtschaftsentwicklung zeigen in aller Deutlichkeit, wie der Geldpolitik mit der Aufgabe, das Wachstum anzukurbeln, zu viel aufgebürdet wurde.

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