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Archive for August, 2015

Fall des Ölpreises und die Auswirkungen

Hohes Angebot – niedrige Nachfrage – niedriger Preis

So günstig wie zuletzt 2009, als sich die Welt in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise befand, ist derzeit der Rohstoff Öl. Der Markt ächzt weiter unter einem Überangebot an Öl, das größer ist als gedacht und gespeist wird durch Saudi-Förderung und US-Fracking. Erwartet wird darüber hinaus ein weiterer Big-Seller und Lieferant: Iran nach dem Embargo . Eine andere Entwicklung belastet die Preise zusätzlich, nämlich China und die erwartete geringere Nachfrage nach dem Schmiermittel Öl durch Wirtschaftsabschwung in den Schwellenländern. Das erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligung.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

Immer weiter nach unten geht es derzeit mit den Preisen für den Rohstoff Öl. Aktuell wurde das markierte 6-Jahres-Tief von 2009 nochmals unterboten. Und auch bis zu einem neuen 10-Jahres-Tief für den Ölpreis ist es nicht mehr weit, das bisher bei 37 US-Dollar lag und aus der Zeit Ende 2008 stammt. Gleichzeitig ist damit die zwischenzeitliche Erholung der Preise von Mitte März bis Ende Juni bis auf 61 US-Dollar vorerst vorbei. Der Trend ist eindeutig nach unten gerichtet.

Verschärft wird die negative Reaktion bei den Ölpreisen durch die weiter schwelenden Ängste vor einer Konjunktureintrübung in China, Brasilien usw., zuletzt genährt durch die überraschende Abwertung des Yuan durch Beijing, um damit die Exporte und die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Neue Nahrung erhält diese Sorge von weiteren Konjunkturabschwächungen durch die erheblichen Kurseinbrüchen an der Börse in Shanghai.

Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli mehr oder weniger stark auf Talfahrt. Ursache ist ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Vor allem die hohen Fördermengen der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) und die Schieferölproduktion mit Fracking in den USA sorgen für diese Ölschwemme.

Auswirkungen des niedrigen Ölpreises                    

Jeder Preisverfall beim Öl freut natürlich die Autofahrer und viele Unternehmer. Für andere Unternehmen und bestimmte Länder birgt der Ölpreisverfall aber deutliche Nachteile und Gefahren.

Beginnen wir mit einem Blick auf die konjunkturellen Folgen. Für die US-Wirtschaft, Japan und die meisten europäischen Länder (also Industrieländer insgesamt) ist ein niedriger Ölpreis eher Segen als Fluch. Natürlich dürften die Investitionen der energienahen Industriezweige in den kommenden Monaten und vielleicht sogar Jahren leiden. Denn ein niedriger Ölpreis macht viele geplante Energieprojekte (Fracking, deutsche Energiewende) unprofitabel. Das ist auch bewusst angestrebt von der saudi-arabischen Ölpolitik.

Allerdings sollte man diesen Effekt in den Industrieländern nicht überschätzen. Investitionen für Unternehmen machen gerade einmal 10% des Bruttoinlandsproduktes, besonders in den USA aus. Wiederum ein Zehntel davon entfällt auf energienahe Bertriebe. Somit wäre der Negativeffekt auf 1% in den Industrieländern beschränkt.

Dieser potenzielle Negativeffekt dürfte mehr als überkompensiert werden durch die positiven Effekte, die der niedrige Ölpreis auf die Kosten der Unternehmen und den privaten Konsum hat. Denn fallende Tankstellen- und Heizölpreise bedeuten, dass der Durchschnittsverbraucher in den Industrieländern deutlich mehr Kaufkraft besitzt. Dies ist positiv für die Konsumneigung und sollte die konjunkturelle Entwicklung in den USA, Europa und Japan stützen. Ganz ähnlich sieht es in den meisten europäischen Ländern aus, Ausnahme ist Norwegen. Auch hier dürften die positiven Nebenwirkungen eines niedrigen Ölpreises die Negativfolgen deutlich übertreffen. Der niedrige Ölpreis ist also für viele westliche Industrienationen eine Art Konjunkturprogramm.

Auswirkungen für die Schwellenländer

Anders sieht das Bild bei den stark vom Ölpreis abhängigen Schwellenländern aus. Für Länder wie Russland, Brasilien und Venezuela sind die Folgen des niedrigen Ölpreises deutlich zu spüren. Weniger stark sind die Auswirkungen der fallenden Ölpreise auf die arabischen Länder des Nahen Ostens. Denn die ersteren Länder hängen viel stärker von den Energieeinnahmen ab.

Entsprechend sind signifikante Negativeffekte für die Schwellenländer zu erwarten, einige energielastige Volkswirtschaften dürften gar in eine Rezession zurückfallen. Einfach ausgedrückt könnte man sagen: Es gibt viele Gewinner eines niedrigen Ölpreises und wenige Verlierer. Letztere leiden aber dafür umso stärker. In Summe dürfte der niedrige Ölpreis damit einen positiven Effekt auf das weltwirtschaftliche Wachstum haben, auch wenn die regionalen Unterschiede und Betroffenheiten sehr groß sind.

Reaktion der Märkte

Was gut für die Konjunktur ist, sollte üblicherweise auch gut für die Kapital- und Finanzmärkte sein. Doch leider gilt es dabei, einiges zu beachten.

So ist die Gewichtung der energie- und rohstofflastigen Sektoren im US-Amerikanischen Aktienindex deutlich höher als in der US-Gesamtwirtschaft. So entfallen rund 10% des Indexgewichts auf diese beiden Sektoren. Energieunternehmen haben in der Vergangenheit einen besonders hohen Gewinnbeitrag geliefert, sodass die Negativeffekte für den US-Aktienmarkt spürbarer ausfallen als für die US-Wirtschaft.

In Europa sieht das Bild ganz ähnlich aus. Doch bevor man daraus negative Schlüsse für die Weiterentwicklung der Aktien und Finanzmärkte macht ist folgendes zu beachten. Trotz der überdurchschnittlichen Indexgewichtung energie- und rohstoffnaher Unternehmen sind sie in Relation zu den anderen Sektoren klar in der Minderheit. In der Euro-Zone dürfte der eine oder andere Negativeffekt des niedrigen Ölpreises zudem durch die Konjunkturbelebung überkompensiert werden. Daher wäre es falsch, aus Angst vor Negativfolgen zum Beispiel Aktien zu meiden und vor Anlageinvestitionen zurückzuschrecken. Im Gegenteil:

Für viele Unternehmer/Verbraucher ist der niedrige Ölpreis Grund zur Freude und sollte insgesamt die Volkswirtschaften der Industrieländer und deren Kapital- und Finanzmärkte positiv beeinflussen.

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Auswirkungen des EZB-Anleihekaufprogramms

Seit rund vier Monaten kauft die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms für rund 60 Mrd. € im Monat und einem Gesamtvolumen von über eine Billion Euro Wertpapiere, darunter vor allem Staatsanleihen. Nachdem die Renditen der Anleihen (Staats- wie Unternehmensanleihen) zu Beginn des Kaufprogramms gesunken waren, sind sie, zur Überraschung vieler Marktteilnehmer, seitdem wieder etwas gestiegen.

Für Ökonomen und Anleger ist es sehr interessant aber auch noch sehr früh, um evtl. Auswirkungen dieses Programms auf die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung zuversichtlich einzuschätzen, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

Insbesondere für Investoren und Anleger wäre es bedeutsam, die Auswirkungen auf die Finanz- und Kapitalmärkte richtig einzuschätzen und diese Effekte in ihre eigenen Anlageentscheidungen mit einzubeziehen. Da das EZB-Anleihekaufprogramm also noch eher kurz läuft, bietet es sich an, mögliche frühere Anleihekaufprogramme anderer Zentralbanken auf ihre Auswirkungen zu analysieren.

In welchen Ländern liegen nun über einen längeren Zeitraum Erfahrungen mit Anleihekaufprogrammen einer Zentralbank vor und welche Auswirkungen hatten diese Kaufprogramme?

  1. Auswirkungen des Anleihekaufprogramms der Bank of England

Im Frühjahr 2009 begann die Bank of England mit Ankäufen, deren Volumen sich im Herbst 2012 auf 375 Mrd. Pfund beliefen. Drei britische Ökonomen haben kürzlich auf der Basis dieser Erfahrungen die verbreitete These getestet, wonach die mit den Käufen von Anleihen verbundene Schöpfung neuen Geldes die Geschäftsbanken zu einer Vergabe zusätzlicher Kredite an Unternehmen und Privatpersonen veranlasse und auf diesem Wege eine Belebung der Wirtschaft in Gang setze.

Das mit einer solchen Vorstellung verbundene Problem ist, dass eine Zentralbank keinen direkten Einfluss auf die Kreditvergabe der Kreditinstitute an die Privatwirtschaft hat. Die Geschäftsbanken müssen Kredite vergeben wollen, und die Unternehmen und Privatleute müssen Kredite aufnehmen wollen, damit dieser Mechanismus funktioniert. Schon im Jahr 2009 hatte die Führung der Bank of England in diesen aus der ökonomischen Theorie bekannten Kreditkanal (bank lending channel) wenig Vertrauen besessen. Die neue Studie der drei Ökonomen bestätigt den Befund: Einfluss der Käufe von Anleihen durch die Zentralbank auf die Kreditvergabe in der britischen Privatwirtschaft lässt sich nicht nachweisen.

  1. Auswirkungen des Anleihekaufprogramms der Bank of Japan

Einige Jahre früher als die Bank of England hatte die Bank of Japan mit Käufen von Anleihen begonnen. Eine Untersuchung der amerikanischen Zentralbank Fed kommt für die Jahre 2000 – 2009 zwar zu dem Ergebnis, dass die Käufe von Anleihen durch die Zentralbank eine Belebung der Kreditvergabe in der Privatwirtschaft angestoßen hätten. Allerdings heißt es einschränkend, dass dieser Effekt nur klein und vorübergehend gewesen sei.

  1. Auswirkungen des Anleihekaufprogramms der Fed in den USA

In den Vereinigten Staaten hatte die Fed in den vergangenen sieben Jahren mehrere Kaufprogramme für Anleihen umgesetzt. Daher liegen dort reiche Erfahrungen vor, die in einer Vielzahl von Studien untersucht wurden. In den Vereinigten Staaten zielte die Fed vor allem auf den Markt für langlaufende Staatsanleihen, deren Renditen sie senken wollte. Die Ergebnisse dieser Politik sind aber nicht offensichtlich. Es gibt mehrere Studien mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

Dies stützt die Ansicht mancher Theoretiker die Anleihekäufe von Zentralbanken für wirkungslosen Aktionismus halten. Es existieren auch theoretische Modelle, aus denen sich solche Ergebnisse ableiten lassen. Insofern sollten auch an das Kaufprogramm der EZB keine so großen Erwartungen gerichtet werden.

  1. Portfolioeffekte des Anleihekaufprogramms

Ökonomen, die sich von Anleihekäufen einer Zentralbank positive Wirkungen für die wirtschaftliche Entwicklung versprechen, setzten eher auf einen anderen Effekt, den sog. Portfolioeffekt. Er geht davon aus, dass nicht alle Anleger, die der Zentralbank Anleihen verkaufen, das zinslose Geld halten wollen, dass sie für die verkauften Anleihen erhalten. Stattdessen ist damit zu rechnen, dass diese Anleger mit dem Geld Wertpapiere kaufen wollen, die sie als Substitute für ihre verkauften Anleihen betrachten.

Anleger, die Staatsanleihen mit fünf jähriger Laufzeit an die Zentralbank verkauft haben, könnten beispielsweise auf die Idee kommen, mit dem Geld fünf jährige Unternehmensanleihen zu kaufen. Dies hätte steigende Kurse und sinkende Renditen für Unternehmensanleihen zur Folge.

Diese Umschichtungen von Finanzvermögen können in zweierlei Hinsicht die Wirtschaft beleben: Niedrige Renditen für Unternehmensanleihen und höhere Aktienkurse führen zu niedrigeren Finanzierungskosten für Unternehmen und können damit zusätzliche Sachinvestitionen anregen. Hinzu kommt, dass als Ergebnis höherer Kurse für Anleihen und Aktien der Wert der Vermögen steigt. Dies könnte die Besitzer der Vermögen zu zusätzlichen Konsumausgaben veranlassen.

Auf diese Portfolioeffekte hatte unter anderem der frühere Fed-Vorsitzende Bernanke vertraut. Auch der Chefvolkswirt der EZB hat vor Beginn des Ankaufprogramms seine Hoffnungen auf diesen Effekt gesetzt. Aber auch dieser Effekt lässt sich nicht leicht nachweisen. Eine Arbeit von Ökonomen der Bank of England kommt zwar zu dem Schluss, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank eine zusätzliche Nachfrage privater Großanleger nach Unternehmensanleihen zur Folge hat. Allerdings ist ein positiver Effekt auf dem Aktienmarkt nicht nachweisbar gewesen.

  1. Internationale Auswirkungen von Anleihekaufprogrammen der Zentralbanken

Damit ist die Frage nach möglichen Auswirkungen von Anleihekaufprogrammen der verschiedenen Zentralbanken aber noch nicht abschließend geklärt.. Viele Studien spüren zwar nur binnenwirtschaftlichen Wirkungen von Anleihekäufen nach. In zweierlei Hinsicht sind aber auch internationale Auswirkungen auf die Finanz- und Kapitalmärkte vorstellbar und nachweisbar.

So ist denkbar, dass die Zentralbanken mit ihrer Geld- und Kaufpolitik den Wechselkurs ihrer Währung beeinflussen. Eine Abwertung der Währung könnte zumindest vorübergehend den Export und einen leichten Anstieg der Inflationsrate befördern. So ist die öffentliche Diskussion des EZB-Kaufprogramms von einer spürbaren Abwertung des Euros am Devisenmarkt und einer Ankurbelung des Exports aus dem Euro-Raum begleitet worden.

Zweitens sind auch Auswirkungen von Anleihekaufprogrammen in Industrienationen auf Schwellen- und Entwicklungsländer denkbar. Aktuell wurde dies in einer Studie aus der Weltbank für Mexiko nachgewiesen. Die sehr niedrigen Renditen für Anleihen aus Industrienationen haben in den vergangenen Jahren viele Großanleger zu Anleihekäufen in Schwellenländern bewogen. Gelichzeitig haben die Abwertungen von Währungen aus Industrienationen Schwellenländer zu Senkungen ihrer Leitzinsen veranlasst, um die Aufwertungen ihrer Währungen zu bremsen.

Der Export der Wirkungen von Anleihekäufern in Schwellenländern wird von zahlreichen Ökonomen sehr kritisch gesehen, weil er mit Gefahren für die Stabilität des internationalen Finanzsystems einhergehen kann. Davor warnen unter anderem Experten aus der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

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Smarte Anlage in smarte Anleihen-ETF

Börsennotierte Indexfonds zählen zu den erfolgreichsten Erfindungen der jüngeren Finanzgeschichte. Statt einem Fondmanager sein Geld anzuvertrauen, in der manchmal trügerischen Hoffnung, dass er stets die richtige Anlageentscheidung fällt, stecken die Anleger ihr Geld lieber in diese passiven Fonds, die einfach einem Index folgen und auch kostengünstiger sind, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

In vielen Fällen erreichen diese Fonds ebenso viel oder sogar mehr Rendite. Seit 15 Jahren können deutsche Privatanleger ihr Geld über solche Exchange Traded Fonds (ETF) in verschiedensten Aktienmärkten anlegen. Noch nicht allzu lange können sie auf diese Weise auch in Anleihemärkte investieren.

Auch dieses Segment der Anleihe-ETF erfreut sich wachsender Beliebtheit. Es sind im vergangenen Jahr global 84,5 Mrd. Dollar neu in Anleihe-ETF geflossen, so viel wie nie zuvor innerhalb eines Kalenderjahres. In den Vereinigten Staaten hatten die Anleihen-Indexfonds im letzten Jahr sogar mehr Anlegergelder eingesammelt als aktiv gemanagte Fonds. Das niedrige Zinsniveau in vielen Regionen der Welt macht die niedrigen Kosten von Renten-ETF noch attraktiver.

Doch das einfache Replizieren von Indizes hat gerade bei Rentenprodukten auch Nachteile. Denn etwa in den großen Staatsanleihen-Indizes haben die Länder, die besonders viel Geld an den Kapitalmärkten aufgenommen haben, ein besonders großes Gewicht. „Wollen sie ausgerechnet in den Staat besonders viel Geld investieren, der besonders hohe Schulden hat?“ Stärker noch als am Aktienmarkt zählt neben der Rendite eines Papiers bei Anleihen schließlich auch das Ausfallrisiko bzw. die Sicherheit der einzelnen Anleihe-Werte.

Die großen Entwickler von Indexfonds arbeiten deshalb derzeit an der Weiterentwicklung der Renten-ETF. Im Aktiensegment haben sich solche Strategien schon durchgesetzt. Mit Begriffen wie smart, strategisch oder Faktor bezeichnen die Macher Indexfonds, die sie gegenüber dem ursprünglichen Index leicht verändern.

Die meisten Indizes gewichten die einzelnen enthaltenen Werte schlicht nach der Marktkapitalisierung. Für den DAX spielt die Entwicklung des Schwergewichts Bayer eine größere Rolle als die der Lufthansa. Anleger, die über einen ETF in solche Indizes investieren, gewichten auf die gleiche Weise, was dann dazu führen kann, dass sie ausgerechnet in Dinosaurier- Konzerne übergewichten, die ihre besten Jahre schon hinter sich haben und keine großen Wertsteigerungen mehr versprechen. Smart-Varianten gewichten nach anderen Faktoren als der Marktkapitalisierung, wie zum Beispiel eine geringe Kursvolatilität in der Vergangenheit. Auf diese Weise sollen entweder die Renditechancen oder die Auswahl an unterschiedlichen Strategien steigen.

Bei Anleihe-ETF wäre das Ziel von smart weniger die Renditemaximierung, sondern vielmehr die Risiken zu minimieren und dabei auf möglichst wenig Rendite verzichten zu müssen. Auch beim Vermögensverwalter der Deutschen Bank versucht man, mit Smart-Varianten nicht eben in die am höchsten verschuldeten Staaten zu stecken.

Einige wenige Staaten stellen den Großteil des Marktvolumens. Ihm zu Folge kommen am globalen Anleihemarkt gut die Hälfte der verfügbaren Anleihen aus den Vereinigten Staaten und Japan. Gut 90% des Marktes seien Anleihen von nur 13 Staaten. Anleger, die ihr Geld nach dem Volumen im Markt gewichtet anlegen, erlaufen also Gefahr, große Klumpenrisiken einzugehen.

Mit institutionellen Kunden wie Versicherern und Versorgungswerken probieren die Deutschbanker schon seit einiger Zeit solche Strategien. Für private Anleger sollen im Herbst erste Produkte auf den Markt kommen. Die Faktoren, die die Spezialisten zur Gewichtung der einzelnen Staaten in Betracht ziehen, reichen von der jeweiligen Inflationsrate über die Arbeitslosenquote bis hin zu den Fremdwährungsreserven. Aus all diesen Kriterien wird dann regelmäßig die relative Attraktivität der einzelnen Staaten untereinander berechnet, nach der dann ihr Anteil in den Smart-Produkten gewichtet wird. Der vergleichsweise kleine Schweizer Anbieter Lombard Odier hat schon im April einen Renten-ETF ausgesetzt, der einen alternativen Ansatz zu der Gewichtung nach Marktvolumen sucht und dabei anstrebt, anhand von Fundamentaldaten die Kreditwürdigkeit der Schuldner zu bewerten und diejenigen Kreditnehmer zu identifizieren, die ihre Schulden mit höherer Wahrscheinlichkeit zurückzahlen können. Der Index berücksichtigt Wirtschaftsdaten wie den aktuellen Verschuldungsgrad, die Höhe der Steuereinnahmen sowie soziale und politische Stabilität. Darüber hinaus ist die Gewichtung der Einzelbestandteile des Index nicht statisch, sondern wird nach der Eigenwerbung der Schweizer monatlich angepasst.

Ob es sich bei solchen ausgeklügelten Produkten, die regelmäßig an verschiedene Faktoren angepasst werden, noch um passive Fonds handelt, darüber lässt sich streiten. Anleihe-ETF mit Smart-Ansätzen ermöglichen es, Markteffizienten auf regelbasierte und transparente Weise zu nutzen. Auch größere Anbieter wollen in den nächsten Monaten erste Produkte für Privatanleger auf den deutschen Markt bringen.

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