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Smarte Anlage in smarte Anleihen-ETF

Börsennotierte Indexfonds zählen zu den erfolgreichsten Erfindungen der jüngeren Finanzgeschichte. Statt einem Fondmanager sein Geld anzuvertrauen, in der manchmal trügerischen Hoffnung, dass er stets die richtige Anlageentscheidung fällt, stecken die Anleger ihr Geld lieber in diese passiven Fonds, die einfach einem Index folgen und auch kostengünstiger sind, erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligungen.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

In vielen Fällen erreichen diese Fonds ebenso viel oder sogar mehr Rendite. Seit 15 Jahren können deutsche Privatanleger ihr Geld über solche Exchange Traded Fonds (ETF) in verschiedensten Aktienmärkten anlegen. Noch nicht allzu lange können sie auf diese Weise auch in Anleihemärkte investieren.

Auch dieses Segment der Anleihe-ETF erfreut sich wachsender Beliebtheit. Es sind im vergangenen Jahr global 84,5 Mrd. Dollar neu in Anleihe-ETF geflossen, so viel wie nie zuvor innerhalb eines Kalenderjahres. In den Vereinigten Staaten hatten die Anleihen-Indexfonds im letzten Jahr sogar mehr Anlegergelder eingesammelt als aktiv gemanagte Fonds. Das niedrige Zinsniveau in vielen Regionen der Welt macht die niedrigen Kosten von Renten-ETF noch attraktiver.

Doch das einfache Replizieren von Indizes hat gerade bei Rentenprodukten auch Nachteile. Denn etwa in den großen Staatsanleihen-Indizes haben die Länder, die besonders viel Geld an den Kapitalmärkten aufgenommen haben, ein besonders großes Gewicht. „Wollen sie ausgerechnet in den Staat besonders viel Geld investieren, der besonders hohe Schulden hat?“ Stärker noch als am Aktienmarkt zählt neben der Rendite eines Papiers bei Anleihen schließlich auch das Ausfallrisiko bzw. die Sicherheit der einzelnen Anleihe-Werte.

Die großen Entwickler von Indexfonds arbeiten deshalb derzeit an der Weiterentwicklung der Renten-ETF. Im Aktiensegment haben sich solche Strategien schon durchgesetzt. Mit Begriffen wie smart, strategisch oder Faktor bezeichnen die Macher Indexfonds, die sie gegenüber dem ursprünglichen Index leicht verändern.

Die meisten Indizes gewichten die einzelnen enthaltenen Werte schlicht nach der Marktkapitalisierung. Für den DAX spielt die Entwicklung des Schwergewichts Bayer eine größere Rolle als die der Lufthansa. Anleger, die über einen ETF in solche Indizes investieren, gewichten auf die gleiche Weise, was dann dazu führen kann, dass sie ausgerechnet in Dinosaurier- Konzerne übergewichten, die ihre besten Jahre schon hinter sich haben und keine großen Wertsteigerungen mehr versprechen. Smart-Varianten gewichten nach anderen Faktoren als der Marktkapitalisierung, wie zum Beispiel eine geringe Kursvolatilität in der Vergangenheit. Auf diese Weise sollen entweder die Renditechancen oder die Auswahl an unterschiedlichen Strategien steigen.

Bei Anleihe-ETF wäre das Ziel von smart weniger die Renditemaximierung, sondern vielmehr die Risiken zu minimieren und dabei auf möglichst wenig Rendite verzichten zu müssen. Auch beim Vermögensverwalter der Deutschen Bank versucht man, mit Smart-Varianten nicht eben in die am höchsten verschuldeten Staaten zu stecken.

Einige wenige Staaten stellen den Großteil des Marktvolumens. Ihm zu Folge kommen am globalen Anleihemarkt gut die Hälfte der verfügbaren Anleihen aus den Vereinigten Staaten und Japan. Gut 90% des Marktes seien Anleihen von nur 13 Staaten. Anleger, die ihr Geld nach dem Volumen im Markt gewichtet anlegen, erlaufen also Gefahr, große Klumpenrisiken einzugehen.

Mit institutionellen Kunden wie Versicherern und Versorgungswerken probieren die Deutschbanker schon seit einiger Zeit solche Strategien. Für private Anleger sollen im Herbst erste Produkte auf den Markt kommen. Die Faktoren, die die Spezialisten zur Gewichtung der einzelnen Staaten in Betracht ziehen, reichen von der jeweiligen Inflationsrate über die Arbeitslosenquote bis hin zu den Fremdwährungsreserven. Aus all diesen Kriterien wird dann regelmäßig die relative Attraktivität der einzelnen Staaten untereinander berechnet, nach der dann ihr Anteil in den Smart-Produkten gewichtet wird. Der vergleichsweise kleine Schweizer Anbieter Lombard Odier hat schon im April einen Renten-ETF ausgesetzt, der einen alternativen Ansatz zu der Gewichtung nach Marktvolumen sucht und dabei anstrebt, anhand von Fundamentaldaten die Kreditwürdigkeit der Schuldner zu bewerten und diejenigen Kreditnehmer zu identifizieren, die ihre Schulden mit höherer Wahrscheinlichkeit zurückzahlen können. Der Index berücksichtigt Wirtschaftsdaten wie den aktuellen Verschuldungsgrad, die Höhe der Steuereinnahmen sowie soziale und politische Stabilität. Darüber hinaus ist die Gewichtung der Einzelbestandteile des Index nicht statisch, sondern wird nach der Eigenwerbung der Schweizer monatlich angepasst.

Ob es sich bei solchen ausgeklügelten Produkten, die regelmäßig an verschiedene Faktoren angepasst werden, noch um passive Fonds handelt, darüber lässt sich streiten. Anleihe-ETF mit Smart-Ansätzen ermöglichen es, Markteffizienten auf regelbasierte und transparente Weise zu nutzen. Auch größere Anbieter wollen in den nächsten Monaten erste Produkte für Privatanleger auf den deutschen Markt bringen.

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