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Fall des Ölpreises und die Auswirkungen

Hohes Angebot – niedrige Nachfrage – niedriger Preis

So günstig wie zuletzt 2009, als sich die Welt in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise befand, ist derzeit der Rohstoff Öl. Der Markt ächzt weiter unter einem Überangebot an Öl, das größer ist als gedacht und gespeist wird durch Saudi-Förderung und US-Fracking. Erwartet wird darüber hinaus ein weiterer Big-Seller und Lieferant: Iran nach dem Embargo . Eine andere Entwicklung belastet die Preise zusätzlich, nämlich China und die erwartete geringere Nachfrage nach dem Schmiermittel Öl durch Wirtschaftsabschwung in den Schwellenländern. Das erläutert Dr. Lutz WERNER, Herausgeber des Finanzportals www.Anleger-Beteiligung.de und des wöchentlich erscheinenden www.Investoren-Brief.de.

Immer weiter nach unten geht es derzeit mit den Preisen für den Rohstoff Öl. Aktuell wurde das markierte 6-Jahres-Tief von 2009 nochmals unterboten. Und auch bis zu einem neuen 10-Jahres-Tief für den Ölpreis ist es nicht mehr weit, das bisher bei 37 US-Dollar lag und aus der Zeit Ende 2008 stammt. Gleichzeitig ist damit die zwischenzeitliche Erholung der Preise von Mitte März bis Ende Juni bis auf 61 US-Dollar vorerst vorbei. Der Trend ist eindeutig nach unten gerichtet.

Verschärft wird die negative Reaktion bei den Ölpreisen durch die weiter schwelenden Ängste vor einer Konjunktureintrübung in China, Brasilien usw., zuletzt genährt durch die überraschende Abwertung des Yuan durch Beijing, um damit die Exporte und die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Neue Nahrung erhält diese Sorge von weiteren Konjunkturabschwächungen durch die erheblichen Kurseinbrüchen an der Börse in Shanghai.

Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli mehr oder weniger stark auf Talfahrt. Ursache ist ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Vor allem die hohen Fördermengen der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) und die Schieferölproduktion mit Fracking in den USA sorgen für diese Ölschwemme.

Auswirkungen des niedrigen Ölpreises                    

Jeder Preisverfall beim Öl freut natürlich die Autofahrer und viele Unternehmer. Für andere Unternehmen und bestimmte Länder birgt der Ölpreisverfall aber deutliche Nachteile und Gefahren.

Beginnen wir mit einem Blick auf die konjunkturellen Folgen. Für die US-Wirtschaft, Japan und die meisten europäischen Länder (also Industrieländer insgesamt) ist ein niedriger Ölpreis eher Segen als Fluch. Natürlich dürften die Investitionen der energienahen Industriezweige in den kommenden Monaten und vielleicht sogar Jahren leiden. Denn ein niedriger Ölpreis macht viele geplante Energieprojekte (Fracking, deutsche Energiewende) unprofitabel. Das ist auch bewusst angestrebt von der saudi-arabischen Ölpolitik.

Allerdings sollte man diesen Effekt in den Industrieländern nicht überschätzen. Investitionen für Unternehmen machen gerade einmal 10% des Bruttoinlandsproduktes, besonders in den USA aus. Wiederum ein Zehntel davon entfällt auf energienahe Bertriebe. Somit wäre der Negativeffekt auf 1% in den Industrieländern beschränkt.

Dieser potenzielle Negativeffekt dürfte mehr als überkompensiert werden durch die positiven Effekte, die der niedrige Ölpreis auf die Kosten der Unternehmen und den privaten Konsum hat. Denn fallende Tankstellen- und Heizölpreise bedeuten, dass der Durchschnittsverbraucher in den Industrieländern deutlich mehr Kaufkraft besitzt. Dies ist positiv für die Konsumneigung und sollte die konjunkturelle Entwicklung in den USA, Europa und Japan stützen. Ganz ähnlich sieht es in den meisten europäischen Ländern aus, Ausnahme ist Norwegen. Auch hier dürften die positiven Nebenwirkungen eines niedrigen Ölpreises die Negativfolgen deutlich übertreffen. Der niedrige Ölpreis ist also für viele westliche Industrienationen eine Art Konjunkturprogramm.

Auswirkungen für die Schwellenländer

Anders sieht das Bild bei den stark vom Ölpreis abhängigen Schwellenländern aus. Für Länder wie Russland, Brasilien und Venezuela sind die Folgen des niedrigen Ölpreises deutlich zu spüren. Weniger stark sind die Auswirkungen der fallenden Ölpreise auf die arabischen Länder des Nahen Ostens. Denn die ersteren Länder hängen viel stärker von den Energieeinnahmen ab.

Entsprechend sind signifikante Negativeffekte für die Schwellenländer zu erwarten, einige energielastige Volkswirtschaften dürften gar in eine Rezession zurückfallen. Einfach ausgedrückt könnte man sagen: Es gibt viele Gewinner eines niedrigen Ölpreises und wenige Verlierer. Letztere leiden aber dafür umso stärker. In Summe dürfte der niedrige Ölpreis damit einen positiven Effekt auf das weltwirtschaftliche Wachstum haben, auch wenn die regionalen Unterschiede und Betroffenheiten sehr groß sind.

Reaktion der Märkte

Was gut für die Konjunktur ist, sollte üblicherweise auch gut für die Kapital- und Finanzmärkte sein. Doch leider gilt es dabei, einiges zu beachten.

So ist die Gewichtung der energie- und rohstofflastigen Sektoren im US-Amerikanischen Aktienindex deutlich höher als in der US-Gesamtwirtschaft. So entfallen rund 10% des Indexgewichts auf diese beiden Sektoren. Energieunternehmen haben in der Vergangenheit einen besonders hohen Gewinnbeitrag geliefert, sodass die Negativeffekte für den US-Aktienmarkt spürbarer ausfallen als für die US-Wirtschaft.

In Europa sieht das Bild ganz ähnlich aus. Doch bevor man daraus negative Schlüsse für die Weiterentwicklung der Aktien und Finanzmärkte macht ist folgendes zu beachten. Trotz der überdurchschnittlichen Indexgewichtung energie- und rohstoffnaher Unternehmen sind sie in Relation zu den anderen Sektoren klar in der Minderheit. In der Euro-Zone dürfte der eine oder andere Negativeffekt des niedrigen Ölpreises zudem durch die Konjunkturbelebung überkompensiert werden. Daher wäre es falsch, aus Angst vor Negativfolgen zum Beispiel Aktien zu meiden und vor Anlageinvestitionen zurückzuschrecken. Im Gegenteil:

Für viele Unternehmer/Verbraucher ist der niedrige Ölpreis Grund zur Freude und sollte insgesamt die Volkswirtschaften der Industrieländer und deren Kapital- und Finanzmärkte positiv beeinflussen.

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