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Niedriger Ölpreis – Ein Segen?

Eigentlich ging man seither immer davon aus, dass hohe Ölpreise schlecht für uns sind.

Spätestens seit der Ölkrise in den 70 er Jahren mit autofreien Sonntagen, Lieferengpässen und rasant steigenden Ölpreisen schauten wir immer mit Sorge auf die Preisentwicklung und kannten eigentlich nur Preiserhöhungen, einmal abgesehen von gelegentlichen Preisschwankungen, die aber immer nur kurzfristiger Natur waren.

Es galt immer: Hohe Ölpreise bedeuten hohe Energiekosten für die Wirtschaft, hohe Kosten für die Autofahrer und hohe Heizkosten. Sie schwächen die Kaufkraft und sind deshalb schlecht, mehr oder weniger für alle.

Volkswirte gingen immer davon aus, dass fallende Ölpreise gut für die Konjunktur sind. In Modellrechnungen wurde nachgewiesen, dass z. B. ein Sinken des Ölpreises um 10 % zumindest in den westlichen Industrieländern zu einem Wirtschaftswachstum von zwischen 0,1 % und 0,5 % führt. Wie gesagt, Modellrechnungen und somit Theorie.

Dass die Praxis aber ganz anders aussehen kann, zeigt z. B. die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und in Europa. Trotz eines Rückgangs der Ölpreise um rund 75 % ist von einer Beschleunigung der Konjunktur nicht wirklich etwas zu erkennen. Im Gegenteil sieht man im Augenblick insbesondere auch durch die Unsicherheiten am chinesischen Markt eher das Risiko einer Abkühlung der Weltwirtschaft. Das spiegelt sich sehr eindrucksvoll in der Kursentwicklung an den Aktienmärkten wider, und zwar weltweit. So hat allein der Dax seit Jahresbeginn über 8 % eingebüßt.

Vielfach wurde übersehen, dass der hohe Ölpreis, der zu entsprechend hohen Einnahmen der ölexportierenden Länder führt, für entsprechende Nachfrage nach Industriegütern gesorgt hat. Davon haben vor allem die exportstarken Nationen profitiert. Denn neben der Nachfrage nach Industrie- und Konsumgütern stieg auch die Nachfrage nach Investitionen in die Infrastruktur und alternative Energieformen.

Insgesamt gesehen haben diese Vorteile die gestiegenen Kosten wegen eines höheren Ölpreises i.d.R. immer mehr als kompensiert. Ganz sicher müssen jetzt wahrscheinlich einige volkswirtschaftliche Lehrmeinungen überprüft und gegebenenfalls auch geändert werden. Es gilt nicht mehr uneingeschränkt: „ Ein niedriger Ölpreis ist gut für die Konjunktur“. Vielmehr scheint sich jetzt alles mehr oder weniger umzudrehen. Wenn jetzt noch die amerikanische Wirtschaft, die ihren Aufschwung insbesondere auch zum großen Teil der Energieindustrie und dem Fracking verdankt abkühlt, wird der niedrige Ölpreis mehr und mehr zum Schreckgespenst der Weltwirtschaft.

Die Entwicklung des Ölpreises in den nächsten Monaten ist nur schwer einzuschätzen. Die ölexportierenden Länder werden ihre Produktion kaum drosseln können, denn sie brauchen die Einnahmen. Zudem ist der Iran wieder in den Markt eingestiegen. Steigende Energieeffizienz und alternative und erneuerbare Energien tun ihr Übriges.

Wollen wir hoffen, dass bald wieder „normale“ Verhältnisse einkehren damit man nicht sagen muss: „Ein sinkender Ölpreis kann die Weltwirtschaft ins Wanken bringen“.

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