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Stresstest. Wie stehen die Banken wirklich da?

Die Ergebnisse des kürzlich veröffentlichen Stresstest der Banken haben zu kuriosen Meldungen geführt.

So konnte man lesen, dass die Banken die Vorgaben der Bankenaufsicht bei weitem nicht erfüllen, sie aber trotzdem in der Lage seien, eine neuerliche Finanzkrise zu überstehen. Die Deutsche Bank sieht sich „auch für härtere Zeiten gewappnet“ und die Commerzbank hält sich für „widerstandsfähig und stressresistent“. Auch der Chef der Bundesbank Jens Weidmann sieht die deutschen Bank für gerüstet, einem „ausgeprägten Schock zu widerstehen“. Offensichtlich hat man übersehen, dass zum Beispiel die Deutsche Bank und die Commerzbank bei einem wirtschaftlichen Einbruch zu den zehn am schlechtesten kapitalisierten von insgesamt 51 Banken gehören würden.

Als Maßstab dient das sogenannte „harte Kernkapital“, das bei einem Stress-Szenario bei der Commerzbank auf 7,4 Prozent und bei der Deutschen Bank auf 7,8 Prozent sinken würde. Eine Quote von 7 Prozent wird von der Bankenaufsicht als bedrohlich und alarmierend angesehen. Von „Widerstandsfähigkeit“ und „Stressresistenz“ kann da wahrlich nicht die Rede sein.

Es gibt zwei irische Großbanken, eine spanische und eine österreichische, die deutlich unter die Marke von 7 Prozent fallen würden. Die italienische Großbank Monte dei Paschi di Siena würde auf minus 2,4 Prozent fallen.

Der Stresstest kann zwar Auskunft über die „Widerstandsfähigkeit“ der Banken geben, er sagt aber nichts über die zukünftige Entwicklung der Branche aus. Dabei ist die größte Frage: „Woher sollen in Zukunft die Gewinne der Banken herkommen“?

Insgesamt gesehen haben die europäischen Banken aus der Finanzkrise wenig gelernt. Spätestens nach der Finanzkrise wäre es erforderlich gewesen, eine Neuorientierung einzuleiten. Seit den siebziger Jahren begann eine Fehlentwicklung. Durch einen übertriebenen Wettbewerb sanken die Margen im Kreditgeschäft. Einen Ausgleich suchte man im Wertpapierhandel, mit der Verbriefung von Forderungen und mit spekulativen Derivaten. Das klassische Kreditgeschäft wurde mehr und mehr vernachlässigt. Die dringend notwendig gewordene Neuorientierung wurde zudem durch die Politik mit einer Reihe von falschen Maßnahmen behindert. Das Signal der nationalen Regierungen, ihre Banken im Zweifelsfall immer noch zu schützen, anstatt sie zu einschneidenden Maßnahmen zu zwingen, führt dazu, dass die Institute in der Regel zu groß sind, zu viele Filialen unterhalten und zu viele Mitarbeiter beschäftigen. Darüber hinaus bremst Basel III die Kreditvergabe und die Finanzmarktrichtlinie MiFID das Wertpapiergeschäft.

Mit dieser Situation, hohe Kosten und auf lange Sicht sinkende Einnahmen werden die Banken fertig werden müssen. Die schwindenden Gewinne verhindern die Eigenkapitalstärkung sowohl durch eigene Mittel als auch vom Kapitalmarkt. Die Banken wären gut beraten, sich wieder verstärkt dem lange Zeit vernachlässigten Kreditgeschäft zuzuwenden. Schließlich werden 75 Prozent des Kreditbedarfs der Unternehmen über Kredite finanziert. Auch im Privatbereich besteht ein nicht unerheblicher Bedarf an Darlehen für die Eigenheimfinanzierung. Trotz der nicht unerheblichen Beeinträchtigungen durch Basel III und den neuen Richtlinien für die Wohnimmobilienkredite sollten die Banken die bei der EZB gegen „Strafzinsen“ geparkten Gelder im Kreditgeschäft einsetzen.

Da selbst bei einer Veränderung der Geschäftspolitik die Forcierung des Kreditgeschäfts durch die Einschränkungen durch Basel III nur bedingt möglich ist, sollten sich die Unternehmen verstärkt auch der Finanzierung durch Beteiligungskapital zuwenden. Ein gesundes Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital stärkt die Kreditfähigkeit der Unternehmen erheblich.

Gerade bei den extrem niedrigen Zinsen müsste es für Anleger interessant sein, sich – und sei es nur mit kleineren Beträgen – an Unternehmen zu beteiligen. Die zu erwartenden Erträge aus diesen Beteiligungen liegen regelmäßig nicht unerheblich über den Kapitalmarktzinsen. Eigenkapitalstarke Unternehmen sind für die Banken gute Kreditnehmer.

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