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Weltspartag – Hat er noch eine Berechtigung?

Der Weltspartag hat eine lange Tradition und Geschichte. Der erste Weltspartag fand bereits am  31. Oktober 1925 statt. Angesichts der derzeitigen Lage an der Zinsfront stellt sich allerdings die Frage, ob diese Einrichtung, die immerhin einen Weltkrieg, eine galoppierende Inflation und eine Währungsreform überstanden hat, auch die halsbrecherische Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) übersteht.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat den Weltspartag zum Anlass genommen, erneut auf die fatalen Auswirkungen der Geld- und Zinspolitik der EZB hinzuweisen.

Den deutschen Sparern gehen durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank alljährlich mehrere Milliarden Euro verloren. Die in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank veröffentlichen Zahlen lassen erkennen, dass die jährlichen Zinsgutschriften auf Spareinlagen im Zeitraum von 2009 bis 2015 auf rund ein Drittel der früheren Höhe geschrumpft sind, nämlich von ehemals 13,8 Milliarden auf nur noch rund 4,4 Milliarden.

Diese gravierenden Auswirkungen der Geld- und Zinspolitik bereiten den Sparern immer mehr Sorgen. Eine Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverband ergab, dass 58 Prozent der Befragten diese Entwicklung als größtes Problem sehen. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Darüber hinaus fühlen sich die Sparer auch zunehmend durch die Diskussionen über eine Zwangs-Vergemeinschaftung der Einlagensicherungen verunsichert. Insgesamt bröckelt das Vertrauen, durch Sparanstrengungen eine ausreichende Reserve zu bilden, immer mehr.

Trotzdem hat sich der Anteil derjenigen, die gar nicht für die Rentenzeit sparen, leicht verringert, auf rund 36 Prozent. Der Rest spart trotz Nullzinsen. Der Verband wertet das als Resignation. Damit ist der gewünschte Effekt, den Konsum zu steigern, nicht eingetreten. Nach der Umfrage haben lediglich 5 Prozent ihren Konsum ausgeweitet. 20 Prozent hingegen haben den Konsum sogar eingeschränkt und 75 Prozent haben gar nichts verändert.

Die EZB muss endlich einsehen, dass sie mit ihrer Geld- und Zinspolitik gescheitert ist, zumindest was das Ziel Inflationsrate und Wirtschaftswachstum betrifft. Die Politik des billigen Geldes hat vielmehr den Druck auf die Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik genommen, notwendige Strukturreformen umzusetzen.

Inzwischen hat sich die Inflationsrate leicht erhöht. Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich fortsetzen, wenn die geplante Erhöhung des Ölpreises sich festigt. Die Deutsche Bundesbank schätzt, dass die Inflationsrate, die immerhin bei 0,7 Prozent liegt, im Frühjahr 2017 zumindest temporär wieder auf 2 Prozent steigen könnte. Sollte die EZB an ihrer Nullzinspolitik festhalten, würde das die nächste „Ohrfeige“ für die Sparer bedeuten. Wenn sie seither die Nullzinsen „zähneknirschend“ hingenommen haben, weil zumindest durch die geringe Inflation fas kein Kapitalverlust entstand, wird das sicher nicht so bleiben. Bei steigender Inflation sieht das Bild dann natürlich ganz anders aus. Insofern besteht hier zügiger Handlungsbedarf bei der EZB.

Aber es gibt bei der Nullzinspolitik der EZB nicht nur Verlierer. Gewinner sind nicht nur die Kredit- und Darlehensnehmer sondern insbesondere der Bund und die Länder. Hier sind die Schuldzinsen stark geschrumpft. So zahlte zum Beispiel der Bund allein 2015 rund 15 Milliarden weniger, als noch vor sechs Jahren, und das trotz wachsenden Schuldenbergs.

Dadurch mehren sich die Rufe nach einer „Wiedergutmachung“. Bayerns Finanzminister Markus Söder von der CSU meint dazu, dass die Zeit für Steuerentlastungen reif sei. Schließlich spare der Staat durch die Zinspolitik auf Kosten der Sparer viel Geld. Auch der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbands Georg Fahrenschon fordert eine Unterstützung der Sparer insbesondere durch den Bund.

Egal wie, es wäre ganz sicher der falsche Weg, die Sparer im „Regen“ stehen zu lassen. Eine Unterstützung würde sie zumindest teilweise für ihren Sparwillen trotz Null-Zinsen belohnen.

Und bleiben uns die Sparer erhalten, behält auch der Weltspartag seinen Sinn.

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