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Staatsanleihen. Eine sichere Geldanlage?

Viele Anleger gehen bei der Geldanlage lieber „auf Nummer sicher“ und bevorzugen Anleihen, insbesondere Staatsanleihen, um größere Kursschwankungen oder gar Verluste zu vermeiden.

Der Begriff der sogenannten „ sicheren Anlage“ spielt im Finanzbereich eine große Rolle. In der Finanztheorie werden in der Regel Staatsanleihen als sichere Geldanlage definiert. Den Staat sieht man allgemein als einen sicheren Schuldner an. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass Kredite der Banken, in der Regel durch Kauf von Staatsanleihen, nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen.

Die „sichere Geldanlage“ wird in der Regel auch herangezogen, um die Renditen für riskantere Geldanlagen zu bestimmen, indem man zu der Rendite der sicheren Anlage entsprechende Risikoprämien hinzurechnet.

Aber ist dann der Staat tatsächlich über jeden Zweifel erhaben , was Zinszahlung und Rückzahlung betrifft? In der Regel ja, denn im Ernstfall können sich Staaten von ihrer Zentralbank das nötige Geld drucken lassen, wenn die Rückzahlung nicht anders möglich ist. Schließlich sind die Zentralbanken nur so lange unabhängig, wie es der Staat zulässt, denn letztlich sind sie öffentliche Einrichtungen. Insofern kann man Staatsanleihen als sicher ansehen, wenn sie Zinszahlungen und Rückzahlungen in der Landeswährung erfolgen.

Aber wie verhält es sich mit dem realen Wert der Anleihe in Staatspapieren? Ist der Staat gezwungen, die „Gelddruckmaschine“ auf Hochtouren laufen zu lassen, kann es schnell passieren, dass die Zins- und Rückzahlungen mit entwertetem Geld erfolgt, je nachdem, wie die Geldmenge steigt.

Solange also ein Staat in der Lage ist, die Zahlungsverpflichtungen ggfls. mit der Hilfe seiner Zentralbank zu erfüllen, kann man die Staatsanleihen als sicher ansehen, zumindest nominal.

Aber wie steht es mit Anleihen von Mitgliedsländern der Europäischen Union? Diese Länder haben keinen Zugriff auf die Europäische Zentralbank (EZB) und können sich dort kein Geld drucken lassen. Es ist der EZB sogar verboten, die Schulden von Staaten zu begleichen. Gerade dieser Punkt steht zur Zeit in der Diskussion, denn die massiven Anleihekäufe der EZB werden von vielen Kritikern auch schon als Staatsfinanzierung angesehen. Wenn man also als eine Grundvoraussetzung für eine „sichere Geldanlage“ die Möglichkeit des Staates sieht, dass die Rückzahlung notfalls mit Hilfe der Notenbank erfolgen kann, dann sind die Anleihen der Eurostaaten im Ernstfall ebenso riskant, wie die Anleihen in Fremdwährung anderer Staaten. In der derzeitigen Niedrigzinsphase oder sogar Nullzinsphase wird die „sichere Geldanlage“ in Form von Anleihen, insbesondere von Staatsanleihen, noch von einer anderen Seite bedroht. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse. Steigen zum Beispiel die Zinsen während einer Zehn-Jahres-Laufzeit um ein Prozent, fallen die Kurse der Anleihen zwischenzeitlich um zehn Prozent. Die Auswirkungen weiterer Zinssteigerungen kann man sich dann selbst ausrechnen.

Fazit: Auch die vermeintlich „sichere Geldanlage“ ist relativ.

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